Wolkenkuss – Luisa Sturm

Wolkenkuss

 

Verlag: Dezemberkind Verlag

Format: eBook, 407 Seiten, ASIN: B01JF8VP42

Preis: € 0,99

Bewertung:

5 von 5 Pfoten

 

Mit »Wolkenkuss« sind wir auch schon beim dritten Roman von Luisa Sturm angekommen. Ihr neuestes Werk wurde am 30. Juli 2016 veröffentlicht, ist also noch ganz frisch!! In diesem Roman behandelt die Autorin die Problematik der Geschwisterliebe, denn auch, wenn es sich nur um Stiefgeschwister handelt, so bringt dies nichts als Probleme mit sich. Als die Mutter der fussballspielenden Freia mit ihren beiden Töchtern zu ihrem neuen Freund und dessen Sohn zieht, kann sich das fröhliche Mädchen Niks Anziehungskraft nicht entziehen. Ihr schlechtes Gewissen ihrer Familie gegenüber und die Frage, ob die Liebe zu ihrem Stiefbruder „richtig“ ist, lassen Freia Entscheidungen treffen, die nachträglich betrachtet, vielleicht doch nicht immer die besten waren.

Auch zu diesem Buch möchten wir dich um eine ganz kurze Zusammenfassung bitten.

In »Wolkenkuss« geht es um die große Liebe zwischen Stiefgeschwistern und dem Konflikt: Was tun, wenn ich mit dem Bekenntnis meiner Liebe jemanden, der mir nahe ist, sehr unglücklich machen würde?

Wie auch in den beiden vorherigen Romanen greifst du auch hier wieder ein Thema auf, das nicht alltäglich ist. Woher nimmst du deine Inspiration?

Wer mich kennt, weiß: Ich bin anders. Früher wollte ich immer so sein wie alle anderen und konnte es einfach nicht. Das war hin und wieder ein schmerzlicher Prozess. Ich konnte keine Käfer töten, nur weil sie eklig waren. Ich kletterte auf hohe Bäume und wenn ich fiel, weinte ich nicht. Andere Mädchen fanden das manchmal bestimmt seltsam. Ich vertrete immer meine Meinung. Direkt und ohne Umschweife. Das mag nicht jeder. Ich lache zu laut, bin zu ehrlich und häufig ungewollt komisch. Ich stolpere Treppen nach unten und nach oben. Heute habe ich akzeptiert, dass ich einfach so bin und es geht mir gut so. Vielleicht schreibe ich deshalb sehr gern Geschichten, die „anders“ sind?

Bist du selbst schon einmal Motocross gefahren?

Um Gottes Willen! Ich bin doch nicht lebensmüde! Nein, aber ich bin viel mit dem Motorrad unterwegs gewesen – als Beifahrerin oder als „Hintensitzerin“.

Deine Lieblingsfigur in »Wolkenkuss« und warum?

Nik Berg. Er ist mir als Figur sehr nah. Voller Liebe, Leidenschaft und Kraft und doch auch irgendwie verschlossen, aus Angst verletzt zu werden.

Das Buch

Freia Meerbaum, 28 Jahre alt, soll nach Rom fahren, um dort der Zeremonie zur Erneuerung des 10-jährigen Ehegelübdes ihrer Mutter Inka und ihres Stiefvaters Falk bei zu wohnen. Freia hat dazu aber gar keine Lust, sie hat regelrecht Angst davor, denn dort wird sie das erste Mal seit Jahren wieder auf ihren Stiefbruder Nik Berg treffen. Nik ist aber nicht nur Freias Stiefbruder, nein, er ist auch ihre erste große, geheime Liebe und der Mann, der Freia für alle anderen Männer zerstört hat. Sie hat keine Ahnung, wie sie beim Aufeinandertreffen reagieren wird oder soll, denn so sehr sie Nik früher geliebt hat, so sehr hasst sie ihn jetzt – eigentlich. Im ersten Abschnitt dieses Romans sieht man schon ganz extrem, in welchem Gefühlswirrwarr Freia sich befindet. Eigentlich hasst sie Nik für alles, was passiert ist, auf der anderen Seite ist sie sich nicht sicher, ob sie ihn nicht doch noch liebt. Jedes bisherige Aufeinandertreffen der beiden hat bisher zu einem neuerlichen Aufwallen ihrer Gefühle geführt und das möchte die junge Frau unbedingt vermeiden. Dennoch fühlt sie sich ihrer Mutter und ihrem Stiefvater gegenüber verpflichtet, an der Zeremonie und den Feierlichkeiten teilzunehmen. Und damit man auch weiß, worum es geht, hat die Autorin hier einen Zeitsprung eingebaut und versetzt und elf Jahre zurück in die Zeit, als Freia und Nik sich das erste Mal begegnet sind.

11 Jahre zuvor: Freia, ihre Schwester Mila und ihre Mutter ziehen um. Die Eltern haben sich getrennt, Freias Vater hat sich auf eine Bohrinsel verkrochen und meidet den Kontakt und die Mutter hat einen neuen Mann in ihrem Leben. Einen reichen Mann, der auch noch einen Sohn hat. Nik. Die erste Begegnung der beiden verursacht Freia bereits ein ganz mulmiges Gefühl: einerseits findet sie ihn attraktiv, auf der anderen Seite benimmt sich Nik wie ein Idiot. Und auch in den Tagen und Wochen die vergehen, kommt es zwischen Nik und Freia ständig zu Zankereien, obwohl sich die beiden eigentlich sehr ähnlich sind und Freia immer mehr merkt, dass sie sich zu Nik irgendwie hingezogen fühlt. Freia spielt Fussball, ist ein starkes, selbstbewusstes Mädchen und liebt ihren Sport und Nik lebt seine Leidenschaft fürs Motocross fahren auch tagtäglich aus. Schwierig wird die Situation für Freia, als ihr ihre Schwester Mila eines Tages beim Reiten stürzt und wochenlang im Krankenhaus liegt und ihrer Schwester gesteht, dass sie sich in Nik verliebt hat und einen Versuch in die Richtung wagen will. Mila und Freia sind beste Freundinnen und Freia möchte ihrer Schwester nicht im Weg stehen, deshalb versucht sie, ihre Gefühle wegzusperren. Sie ist sowieso der Meinung, wenn Nik erst einmal weiß, dass die elfenhafte der beiden Schwestern ihn mag, dass er dann sowieso kein Interesse an ihr hat. Doch da irrt sie sich gewaltig, denn als die beiden auf Milas Wunsch immer mehr Zeit miteinander verbringen, entwickelt sich eine Verbindung zwischen ihnen, die Freia einfach nicht abstreiten kann und will. Sie lernen sich immer besser kennen, Freia erfährt vom Tod von Niks Mutter und das er sehr darunter leidet, dass sein Vater nie zu seinen Rennen kommt. Die beiden beginnen heimlich eine Beziehung, Freia kann ihr schlechtes Gewissen ihrer Schwester und auch der Mutter gegenüber einfach nicht ertragen. Nik würde am liebsten allen sagen, dass er sich in Freia verliebt hat, er möchte sich nicht verstecken, doch auf Freias Wunsch hin, hält er den Mund. Denn Freia möchte es zuerst ihrer Schwester persönlich sagen. Als sie sich eines Tages dazu entschließt, platzt Mila ins Zimmer, als Freia und Nik miteinander im Bett sind. Mila kann nicht erkennen, welches Mädchen da liegt, bricht zusammen und muss ins Krankenhaus. Dort stellt man fest, dass sie auf Grund ihrer Reitverletzung eine Lungenembolie hat und sterben könnte. Mila liegt im Koma und Freia wünscht sich nichts mehr, als das es Mila wieder aufwacht und es ihr besser geht, sie schwört sich, wenn das der Fall ist, dann trennt sie sich von Nik – und dann ist Mila plötzlich wach. Gott sei Dank hat Freia nie etwas von ihren Gefühlen erzählt und kann sich jetzt voll und ganz auf die Genesung ihrer Schwester konzentrieren. Von Nik trennt sie sich, obwohl er sie anfleht es nicht zu tun und weil er mit Freias Entscheidung nicht umgehen kann, nimmt Nik ein Angebot an in den USA Motocross zu fahren und verlässt sein zu Hause und Freia, jedoch nicht, ohne sie vorher zutiefst zu verletzten.

Die Autorin hat es wieder einmal geschafft diese Geschichte so realistisch zu erzählen, dass ich mich zu jeder Zeit gefühlt habe, als wäre ich mitten in der Geschichte drin. Freias Gefühlschaos ist so toll dargestellt, man überlegt ständig, wie man selbst handeln würde. Natürlich hat sie ein schlechtes Gewissen ihrer Schwester gegenüber, ist sie doch ihre beste Freundin und immer für sie da. Auf der anderen Seite hat Mila doch nicht eher ein Anrecht auf Glück als Freia. Auch die Problematik mit den Eltern ist nachvollziehbar, wie würden sie reagieren, würden sie es verbieten, hätten die Freia und Nik überhaupt die Chance, ihre Liebe auszuleben? Und dann ist da noch Nik, der in seiner Kindheit mit dem Tod seiner Mutter umgehen musste und der sich nicht verstecken will, aber Freia kann seinen Wunsch nicht einfach so erfüllen, nagt die ganze Sache doch an ihr. Und dann hat Freia auch noch ein schlechtes Gewissen ihrem Vater gegenüber, weil er alleine ist, der Rest der Familie aber ein schönes Leben lebt. Im Grunde genommen muss das arme Mädchen ständig mit ihrem Gewissen kämpfen und kann sich gar nicht auf die schönen Dinge des Lebens konzentrieren. Doch auch für Nik ist die Situation schwer. Seit seine Mutter gestorben ist, hat er das Gefühl von seinem Vater keinen wirklichen Rückhalt zu haben. Er finanziert zwar alles, aber wissen will er von Niks „Hobby“ nichts und zu den Rennen mitkommen schon gar nicht. Nik hofft bei Freia endlich auf Unterstützung und Rückhalt, aber Freia kann ihm das nicht geben, sie muss erst einmal mit ihren eigenen Problemen fertig werden um dann zu 100% zu jemand anderem stehen zu können.

Im Laufe der Geschichte, die sich auch hier wieder über mehrere Jahre hinweg abspielt, kommt es immer wieder zu Treffen zwischen Nik und Freia und Situationen, die sie gemeinsam oder jeder für sich alleine mit sich ausmachen müssen. Ein ständiges Auf und Ab, ein Wirrwarr der Gefühle, Freias Gewissensbisse und die Frage, ob sie nicht doch verdient hätte glücklich zu sein. Wieder hat es die Autorin geschafft ganz entzückende, liebenswerte Protagonisten zu erschaffen und ihre LeserInnen in eine Welt voll Drama aber auch Witz und Romantik zu entführen. Was den beiden noch alles bevor steht und ob sie es am Ende schaffen ein gemeinsames Leben zu leben oder getrennt voneinander erfahrt ihr nur, wenn ihr euch das Buch zulegt 😉

Fazit

Mir hat auch dieser dritte Roman von Luisa Sturm wieder sehr gut gefallen. Ihre einzigartige Weise eine Geschichte über einen langen Zeitraum zu beschreiben, alle Veränderungen und Knackpunkte im Leben eines Menschen zu schildern, hat mich auch hier wieder absolut überzeugt.

AutorIn

Luisa Sturm ist ein Kind der 70er Jahre und begeisterte Leserin seit Kindertagen. Nachdem sie eine journalistische Ausbildung absolviert und widmet sich nebenbei dem Schreiben. Wenn sie nicht an einem ihrer Romane arbeitet, dann tanzt sie mit ihren beiden Kindern durchs Haus, liest ihnen Geschichten vor oder bezwingt ihren inneren Schweinehund und joggt.

Lieben Gruß, Alexandra

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