Totenfang – Simon Beckett

totenfang

 

Verlag: Wunderlich, Rowohlt Verlag GmbH

Format: Hardcover, 560 Seiten, ISBN: 978-3-8052-5001-6

Preis: € 23,60 (A), € 22,95 (D), € 19,99 (ebook)

Bewertung:

5 von 5 Pfoten

 

Simon is Beck(ett) and welcome back Dr. David Hunter!

Bereits zum fünften Mal tritt der forensische Anthropologe nach fünfjähriger Abstinenz endlich diesen Herbst wieder seinen Dienst an. Ob Die Chemie des Todes (2007), Kalte Asche (2008), Leichenblässe (2010) oder Verwesung (2011) – alle Thriller von Simon Beckett haben mich ab der ersten Seite, ach was, ab dem ersten Wort in ihren Bann gezogen und so auch der neue Titel Totenfang.

Und dieser Teil steigt auch direkt am Ende des Vorgängers Verwesung in die neue Story von David Hunter ein. Nach dem Zwischenfällen bei seinem letzten Fall, den Dr. Hunter zwar gemeinsam mit der Polizei aufklären konnte, jedoch auch eine Spur der Zerstörung hinterlassen hat, bekommt er nun keine Aufträge mehr von der Polizei. Auch sein Vertrag mit der Universität läuft demnächst aus und wie es aussieht, hat der neue Leiter der Fakultät kein Interesse daran, Hunters Vertrag zu verlängern. Zu allem Übel ist er auch noch zu seinen Freunden Jason und Anja eingeladen, worauf er so gar keine Lust hat, und man hat versucht in seine Wohnung einzubrechen. Die Pechsträhne will einfach nicht abreißen und so wird das alles auch noch von einer beginnenden Erkältung gekrönt. Kurz vor seiner Abreise zu seinen Freunden erhält er jedoch einen Anruf der Polizei aus einem Ort in Essex, die eine Leiche in einer Flussmündung entdeckt hatte. Irgendetwas ist an der Sache eigenartig, braucht es für einen Leichenfund normalerweise nicht gleich einen forensischen Anthropologen. Als David Hunter mehr wissen will, wird er vom örtlichen Polizisten DI Bob Lundy auf den nächsten Tag vertröstet, die Sache sei aber heikel. David sieht seine Chance, dass zu tun, was er liebt und gut kann, und sich vor seinem Besuch bei seinen Freunden zumindest noch ein wenig zu drücken.

Am nächsten Morgen in Essex angekommen erfährt David Hunter, dass es sich bei der Leiche voraussichtlich um den verschwundenen Sohn eines ansässigen und schwerreichen Sirs handelt. Leo Villiers war schon immer das schwarze Schaf der Familie und seinem Vater Sir Stephen Villiers ein Dorn im Auge. Das heikle an der ganzen Sache: Leo Villiers hatte eine Affäre mit einer verheirateten Frau aus der Gegend, die sieben Monate zuvor verschwunden ist und er ist in dieser Sache der Hauptverdächtige. Emma Darby konnte bis jetzt nicht ausfindig gemacht werden und es wird vermutet, dass sie tot ist. Als die Wasserleiche geborgen wird, ist sofort klar, dass es sich um einen Mann handelt. Sir Stephen identifiziert die Leiche anhand der Kleidung und der Uhr als Leo Villiers, doch David Hunter ist sich nicht sicher, da der Verwesungszustand nicht mit dem Zeitpunkt des Verschwindens zusammen passt. David beschließt vorerst vor Ort zu bleiben.

Andrew Trask, Ehemann bzw. vermeintlicher Witwer von Emma Darby, rettet David Hunter aus einer gefährlichen Situation, als dieser mit seinem Wagen falsch abbiegt. Er ist dem Fremden gegenüber sehr unhöflich, wie auch die meisten anderen Bewohner des kleinen Örtchens, lässt Dr. Hunter dann aber doch in seinem Ferienhaus wohnen. Dort trifft er auch auf Rachel Darby, Emmas Schwester, die seit Emmas Verschwinden bei den Trasks wohnt und sich um Andrews Kinder kümmert. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Art Freundschaft und ab diesem Zeitpunkt ist Rachel auch immer dabei, wenn David Hunter sich auf die Suche nach Beweismaterial in den Backwaters sucht. Und die beiden finden dort so einiges, das zur Lösung des Falles beitragen kann. Sie stolpern bei ihren Recherchen über so manches Geheimnis und diese Geheimnisse kosten auch das ein oder andere Leben. Doch die wichtigsten Fragen bleiben bis zum Schluss offen: Wer ist die Leiche im Wasser und was ist mit Emma Darby und Leo Villiers wirklich geschehen?

Simon Beckett hat es auch nach fünfjähriger Pause wieder geschafft, mich vom Hocker zu hauen. Ich liebe die Art und Weise wie der Autor beim Schreiben einfach jedes noch so kleine Detail absolut realistisch beschreibt, und das mit solch einem Enthusiasmus, dass es nie langweilig wirkt, selbst, wenn er über Sandbänke und ihre Eigenschaften referiert. Dementsprechend ausführlich und interessant finde ich seine Beschreibungen eines verwesenden, sich auf unterschiedlichste Weise zersetzenden, menschlichen Körpers. Diese Ausführungen beginnen bereits auf Seite 1 und sollte deshalb von zart besaiteten Menschen nicht unbedingt beim Abendessen gelesen werden. Man kann sich beim Lesen so richtig in David Hunters Faszination für den menschlichen Körper hineinversetzen und lernt auch noch so einiges dazu – wenn man das will. Aber nicht nur die Schildrungen zum Zustand der Leiche, sondern auch die der Umgebung ist einfach nur herrlich zu lesen. Beckett schafft es, dass man sich vor Ort versetzt fühlt.

Auch seine Figuren beschreibt er erstklassig. David Hunter ist sowieso eine Figur für sich und mir von allen natürlich der Liebste. Seine Liebe zu seinem Beruf, der nicht nur Beruf sondern eher Berufung ist, seine Hingabe, wenn er wieder mal ein Skelett oder nur einen Schädel vor sich liegen hat. Einfach genial. Wer die David Hunter Reihe kennt, der weiß, dass David es in der Vergangenheit nicht einfach hatte: seine Frau Kara und seine Tochter Alice sind bei einem Autounfall tödlich verunglückt und bei seinem letzten Fall wurde er schwer verletzt, sodass man ihm die Milz entfernen musste. Trotzdem hängt er sich mit allem, was er zu bieten hat, in den neuen Fall, rein , nein, er muss regelrecht herausfinden, was sich in dem beschaulichen Arbeiterdorf zugetragen hat. David Hunter ist immer und zu jeder Zeit sympathisch, freundlich und nett und findet kaum ein schlechtes Wort über jemanden, auch wenn er selbst nicht besonders nett behandelt wird.

Auch Rachel Darby und DI Bob Lundy hat er toll dargestellt. Gleich zu Beginn hatte ich auf eine kleine Romanze zwischen Rachel und David gehofft, da Rachel meiner Meinung nach toll zu dem zurückgezogenen Anthropologen passen würde. Aber dazu will ich nicht allzu viel verraten. Rachel und David haben vom ersten Moment an eine besondere Verbindung und die junge Frau, die ihr eigenes Los zu tragen hat und immer noch nicht weiß, was mit ihrer Schwester geschehen ist, unterstützt David bei der Aufklärung des Falls. Den DI kann man im Laufe der Geschichte einfach nur ins Herz schließen. Anfangs ein wenig skeptisch Hunter gegenüber, lässt er sich auf den Fremden ein, teilt sein Wissen, seine Vermutungen mit ihm und ist eine der Schlüsselfiguren bei der Lösung des Falls. Ihn kann David gegen Ende hin sicher als Freund bezeichnen. Doch nicht alle sind Hunter gut gesinnt und auch diese Figuren hat Simon Beckett einfach nur toll beschrieben. Sei es Lundys Vorgesetzte, die persönlich nicht viel mit David Hunter zu tun hat, die ihn die meiste Zeit meidet oder aber auch Sir Stephen Villiers, der seine Abneigung für die menschliche Rasse im Allgemeinen ganz offensichtlich zur Schau stellt. Alle Personen, die in diesem Buch vorkommen, haben ihre Berechtigung und passen perfekt in die Geschichte.

Grundsätzlich kann dieser Thriller ohne seine Vorgänger gelesen werden, die Geschichte ist in sich abgeschlossen. Ich bin aber der Meinung, dass die Teile 1 – 4 dazu beitragen David Hunter besser zu verstehen, man kann sich von dem Mann einfach ein ganzheitliches Bild machen, wenn man seine Geschichte vom ersten Tag an verfolgt. Und da die bisherigen Thriller aus dieser Reihe genauso spannend, aufwühlend, geheimnisvoll und interessant sind wie Totenfang kann ich das Lesen der gesamten Reihe nur empfehlen.

Fazit

Er hat es wieder einmal geschafft, ich bin einfach nur begeistert. Sympathische Figuren, spannungsreiche und rasante Suche nach der Wahrheit, realistische Beschreibungen, ein Hauch Ekel, ganz viel Herzrasen und Hoffnung auf einen sechsten Teil

AutorIn

Simon Beckett ist einer der erfolgreichsten englischen Thrillerautoren. Bevor er sich der Schriftstellerei widmete, arbeitete er unter anderem als freier Journalist und schrieb für britische Zeitschriften und Magazine. Bei den Recherchen für seine Reportagen begleitete er des Öfteren die Polizei. Ein Besuch der «Body Farm» in Tennessee war Grund genug für ihn seine Serie um den forensischen Anthropologen, die auf der ganzen Welt gelesen wird (mittlerweile in 29 Ländern), zu schreiben. Seine Romane rund um den sympathischen David Hunter erreichten alle Platz 1 der Bestsellerlisten. Simon Beckett ist verheiratet und lebt mit seiner Frau Hilary in Sheffield.

Lieben Gruß, Alexandra

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