Sweetgirl – Travis Mulhauser

 

Verlag: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG

Format: Taschenbuch, 254 Seiten, ISBN: 978-3-423-26126-5

Preis: € 15,40 (A), € 14,90 (D), € 12,99 ebook

Bewertung:

 

Das dtv-Bloggerteam hat uns in den letzten Tagen mit einem Wintertipp überrascht. Wir möchten uns auf diesem Weg herzlich für unser Leseexemplar von Travis Mulhausers Sweetgirl bedanken. Gerade Bücher von mir unbekannten SchriftstellerInnen sind immer besonders spannend, da man nie weiß, was einen erwartet, aber meine Philosophie „man muss für alles offen sein“ folgend, habe ich mich mit großem Eifer auf diesen Roman eingelassen.

In einer ungemütlichen Nacht, der Wetterbericht hat einen Blizzard vorhergesagt, macht sich die 16-jähre Percy auf den Weg zu Shelton Potters Farm, um ihre völlig den Drogen verfallene Mutter von dort abzuholen. Doch Shelton ist nicht irgendwer, er ist der Drogendealer ihrer Mutter und nicht gerade für seinen besonders hohen Intelligenzquotienten bekannt, was ihn wiederum ziemlich gefährlich macht. Und Percy findet in seinem Haus nicht etwa ihre Mutter, sondern ein völlig unterkühltes, schreiendes Baby. Jenna steht auf ihrer Wiege geschrieben und Percy trifft in Sekundenschnelle eine Entscheidung. Sie nimmt das brüllende Mädchen, das sie immer wieder Sweetgirl nennt, an sich und flüchtet mit ihr aus Sheltons Haus, um es ins Krankenhaus zu bringen. Was Percy allerdings nicht bewusst ist, Shelton liebt Jenna und deren Mutter aus tiefstem Herzen (das entdeckt er zumindest im Laufe der Geschichte) und so schickt er die Handlanger seines Onkels auf die Suche nach dem Baby und auch er selbst setzt sich dem Blizzard aus, um Jenna sicher nach Hause zu bringen. Und so befindet sich Percy mitten im stärksten Schneesturm seit langer Zeit mitsamt einem Baby, für das sie sich auf unerklärliche Weise verantwortlich fühlt, auf der Flucht vor dem furchteinflößenden Drogendealer.

Percy ist sechzehn Jahre alt und das jüngere von zwei Kindern. Ihre Schwester Starr ist vor einiger Zeit von zu Hause ausgezogen, da war ihre Mutter Carletta noch clean. Doch seit einiger Zeit hat das Crystal Meth, welches sie von Shelton bekommt, sie wieder voll im Griff. Percy könnte ihre Schwester um Hilfe bitten, möchte der jungen Mutter aber das Leben nicht schwer machen und hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, sich um ihre Mutter zu kümmern. Als diese einige Tage nicht nach Hause kommt und Percy einen Tipp erhält, dass ihre Mutter bei Shelton gesehen wurde, macht sie sich trotz des furchtbaren Wetters auf die Suche. Sie fühlt sich verantwortlich für ihre Mutter, obwohl es eigentlich anders herum sein sollte. Offensichtlich musste Percy früh erwachsen werden. Und so entscheidet sie auch das Baby mitzunehmen, dass sie halb erfroren in Sheltons Haus findet, während er und die Mutter der Kleinen ihren Drogenrausch ausschlafen. Percy macht sich Jenna auf den Weg zu Portis, der Ex-Freund von Carletta und nächstem Nachbarn von Shelton. Percy fällt im Laufe der Geschichte immer wieder durch ihren schwarzen Humor auf („Auf seinem Rücken war WHITEBOY tätowiert – wahrscheinlich damit ihn keiner für einen schwarzen Albino hielt.“), dadurch wird die ganze Story ein wenig aufgelockert, ist sie bis zur Hälfte – meiner Meinung nach – eher etwas langweilig.

Portis ist das, was einer Vaterfigur für Percy am nähesten kommt. Das Mädchen vertraut ihm, wären sie vor einiger Zeit doch fast eine Familie geworden. Denn Portis wollte Carletta heiraten, warum er sie nie gefragt hat, weiß er selbst nicht so recht. Jetzt lebt er ein ziemliches Einsiedlerleben in einer kleinen Hütte tief im Wald und trinkt sich alleine seinen Kummer von der Seele. Er steht Percy sehr nahe und hasst Shelton, mit ein Grund, warum er Percy hilft, als diese mit dem Baby bei ihm auftaucht.

Shelton produziert und dealt mit Crystal Meth, im Gegensatz und zum Ärger seines Onkels, der trotz seiner krummen Geschäfte als Stütze der Gesellschaft gilt. Hier wird sehr gut beschrieben, wie die Gesellschaft mit zweierlei Maß misst. Auf der Suche nach ihrer Mutter findet Percy in seinem Haus Jenna. Im Laufe der Geschichte kristallisiert sich heraus, dass Shelton die Mutter des Babys und auch das Baby selbst wirklich liebt und Alles dafür tun würde, um das kleine Mädchen zurück zu bekommen. Er selbst macht sich während des Blizzards mit seinem Schneemobil auf die Suche, doch auf Grund seiner kurzen Aufmerksamkeitsspanne und weil er tief im Inneren doch ziemlich minderbemittelt und ein Egoist ist, lässt er sich von seiner Aufgabe immer und immer wieder sehr einfach ablenken. Sei es durch sein „tolles Aussehen im Schneemobilanzug“ oder aber auch durch den Spaß, den er beim Schneemobil fahren hat.

Im Großen und Ganzen ist die Story eher weniger spannend als skurril. Sheltons geistige Umnachtungen, hervorgerufen durch seinen ständigen Alkohol- und Drogenkonsum, sind ziemlich verstörend. Mal denkt man er macht sich wirklich Sorgen um Jenna, dann wiederum dreht sich alles um 180 Grad und er denkt nicht mal ansatzweise an sie sondern nur an sich selbst. Welche Rolle Percys Mutter in der ganzen Geschichte spielt, ist mir nicht ganz klar und für die Story an sich auch irrelevant. Ab und zu musste ich über das Geplänkel zwischen Percy und Portis lachen, aber so witzig und komisch, wie das Buch beschrieben wurde, fand ich es nicht. Die Zustände, in denen die 16-jährige Schulabbrecherin leben muss, finde ich eher traurig und nicht nachahmenswert. Mit seinen rund 250 Seiten und einfachem Schreibstil war der Roman allerdings auch recht schnell durchgelesen und alles in allem ein nicht allzu schlechter Zeitvertreib.

Fazit

Eher seichte Story, die angepriesene Dramatik bei der Verfolgungsjagd hat mir leider gefehlt, viele „unbeabsichtigte“ Leichen sollten das ganze auffrischen, hat aber auch nicht so recht funktioniert – wenn einem mal so richtig langweilig ist, dann kann man dieses Buch trotzdem gerne zur Hand nehmen.

Autorin

Travis Mulhauser stammt aus Michigan, ist Dozent für Englisch und lebt mit seiner Familie in North Carolina. Sweetgirl ist sein Debütroman.

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