Mirror – Karl Olsberg

mirror

Verlag: Aufbau Taschenbuch

Format: Broschur, 400 Seiten, ISBN: 978-3-7466-3234-6

Preis: € 13,40 (A), € 12,99 (D)

Bewertung:

3 von 5 Pfoten

Eigentlich mache ich mir gar nicht so viel aus Dystopienromanen, doch diesen Herbst kommt man ja kaum daran vorbei, den einen oder anderen Roman zu lesen. Der Aufbau Verlag hat uns dankenswerter Weise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Mirror ist ein futuristischer Thriller über künstliche Intelligenz, wobei die Funktionen, des in diesem Buch beschriebenen gleichnamigen, hochtechnischen Geräts, nicht allzu weit von der Realität entfernt scheinen.  Der Mirror wurde erschaffen, um das Leben seines Besitzers ungemein zu erleichtern. In dem man den Mirror trägt, lernt das Gerät von seinem Besitzer und entwickelt sich selbständig weiter, es gibt Ratschläge wie man sich in so manchen Situationen verhalten soll oder stellt für einen fest, ob der derzeitige Partner der Richtige ist oder ob es kompatiblere Personen gäbe. Doch was geschieht wenn der Prozessor voll und ganz das Denken übernimmt und sein Besitzer blindlings gemäß den Vorschlägen eines Computers agiert? Was passiert wenn nur noch die Bytes untereinander kommunizieren und der Mensch zur Nebensächlichkeit wird? Karl Olsberg hat sich in seinem Buch für diese Thematik entschieden und versucht mit diesem Stoff eine Art Dystopienthriller zu erschaffen.

Wie gesagt, ich finde die verschiedenen Funktionen, die Karl Olsberg anhand seines erfundenen Mirrors erschaffen hat, gar nicht so an den Haaren herbeigezogen, man denke nur mal an die jetzt schon zur Verfügung stehenden Smartphones mit all den notwendigen oder vernachlässigbaren Apps. Ich mag mir gar nicht erst vorstellen, wenn die Entwicklung der Technik weiter so rasant fort schreitet, was unsere Geräte in  Zukunft zu leisten vermögen. Nicht auszudenken, wenn die folgenden  Generationen von Smartphones  nur annähernd die gleichen Features wie der sogenannte Mirror besäßen, abgesehen vielleicht von durchaus sinnvollen Anwendungen, die es ja bereits in der Realität gibt, wie z.B. Notfallarmbänder, die die Gesundheit seines Besitzers ununterbrochen überprüfen und im Notfall selbständig einen Hilferuf absenden oder bei Zuckerkranken bei einer eintretenden Unterzuckerung. Ganz wichtig sind natürlich auch die vielen verschiedenen Leseapps, die bereits auf dem Markt sind.

Der Mirror geht aber noch viele Schritte weiter und lässt seine Nutzer nur noch Wörter nachplappern, scheint das Kommando zu übernehmen und schränkt dadurch jegliche menschliche Individualität aus. Karl Olsberg hat mehrere Charaktere erschaffen die auf unterschiedliche Art und Weise mit ihrem Mirror umgehen. Zu Beginn des Buches waren für mich die vielen Charaktere und ihre unterschiedlichen Zugänge zu dem innovativen Gerät etwas anstrengend zu lesen, doch mit zunehmender Dauer wurde es übersichtlicher und die zunächst willkürlich erscheinenden Handlungsstränge fügten sich zusammen.  Dennoch empfand ich das Buch nicht als Thriller, dazu hat mir großteils die Spannung gefehlt. Dieses Buch würde ich ohne schlechtes Gewissen meinem 12-jährigen Sohn zu Lesen geben. Vielleicht mache ich das sogar, um ihn auf die Konsequenzen des übermäßigen Computerkonsums hinzuweisen. Auch mit dem Schreibstil sollte er keine Probleme haben, da mir dieser sehr einfach gewählt schien, was aber auch teilweise  zu den einfältigen Charakteren gepasst hat. Man könnte es durchaus auch als Jugendbuch einstufen.

Normalerweise würde ich jetzt viel detaillierter über die Handlung des Buches erzählen, aber aufgrund der vielen Personen und unterschiedlichen Handlungen habe ich mich dazu entschlossen, mehr über das Gerät, den Mirror selbst zu schreiben, aber dennoch hier ein kleiner Überblick. Carl Poulson ist der Erfinder des Mirrors und dem dazugehörigen Mirror-Net, so eine Art abgespecktes Internet, in dem alle Daten der Nutzer gespeichert und in weiterer Folge verarbeitet werden. Für mich wirkte es ein wenig, als hätte sich der Autor Steve Jobs und die Entwicklung des wohl bis dato erfolgreichsten Smartphones, als Vorbild genommen. Doch über die Auswirkungen, die seine Erfindung auslöst, hat er in seinen kühnsten Träumen nicht zu denken gewagt. Beispielweise wäre hier die Geschichte von Viktoria zu erwähnen die Andy, einen autistisch veranlagten jungen Mann, kennen und lieben lernt. Für Andy ist der Mirror nicht nur ein treuer Freund, sondern eine wichtige Stütze in seinem Leben.  Er hilft ihm dabei Gesichtsausdrücke von Menschen zu interpretieren und kann somit trotz seiner Erkrankung an zwischenmenschlichen Beziehungen teilhaben. Andy ist nicht besonders bewandert in Sachen Liebe, doch auch hier hilft ihm sein Mirror den Kontakt zu Viktoria herzustellen. Andy und Viktoria sind glücklich, bis sich von einem Tag zum anderen alles veränderte. Andys Mirror teilte ihm mit, dass Viktoria ihn nicht mehr liebe und auch keinen Kontakt mehr zu ihm wünscht. Will Viktoria tatsächlich keinen Kontakt mehr zu Andy oder haben die beiden Mirrors der Verliebten anderes mit den beiden  vor und deswegen eine enttäuschende Lüge erfunden?

Eigentlich beginne ich meine Rezensionen schon während des Lesens zu schreiben und mache nach Beendigung des Buches nur noch kleine Adaptierungen. Nicht so bei diesem Buch, vorliegende Rezension musste ich von Grund auf neu überarbeiten. Natürlich zum Vorteil des Buches, versteht sich. Anfangs empfand ich es verwirrend, zu technisch und zu langweilig, doch das änderte sich von Seite zu Seite, sodass mir, unerwarteter Weise, doch noch viel freudige Lesezeit bereitet wurde.

Fazit

Ein Ausblick, was die Menschheit eventuell zu erwarten hat, sofern der technische Fortschritt sich weiter so rasant entwickelt.

Autor

Karl Olsberg promovierte über künstliche Intelligenz, war Unternehmensberater, Manager bei einem Fernsehsender und gründete zwei Unternehmen in der New Economy, darunter eine Softwarefirma, die von der Wirtschaftswoche als „Start up des Jahres 2000“ ausgezeichnet wurde. 2005 gewann er mit der Kurzgeschichte „Taubers Sammlung“ den Schreibwettbewerb des Buchjournals und begründete so seine literarische Karriere. 2007 erschien sein erster Roman „Das System“, der es auf Anhieb in die SPIEGEL-Bestsellerliste schaffte und für den Kurd Laßwitz-Preis nominiert wurde. Seine Minecraft-Romane um die „Würfelwelt“ erreichten jeweils Platz 2 der Amazon-Bestsellerliste und sind auch in den USA erfolgreich. Olsberg hat drei Söhne und lebt in Hamburg.

Liebe Grüße, Thomas

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