Mein Name ist Leon – Kit de Waal

Mein Name ist Leon

 

Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag

Format: Paperback, 320 Seiten, ISBN 978-3499272301

Preis: € 15,50 (A), € 14,99 (D)

Bewertung:

5 von 5 Pfoten

 

 

Der Rowohlt Verlag hat mir auf meine Anfrage Mein Name ist Leon von Kit de Waal zur Verfügung gestellt und mir zusätzlich auch noch Kontakt zu der aus Birmingham stammenden Autorin hergestellt. Kit de Waal hat sich für uns Zeit genommen, uns einige Fragen zu ihrem ersten Roman, zu ihren Plänen für die Zukunft und zu ihrer Person zu beantworten. Das Interview könnt ihr gleich hier noch vor der eigentlichen Rezension nachlesen (für die deutsche Version hier klicken). Ich kann nur sagen, mich hat dieses Buch beeindruckt, berührt und gefesselt und ich bin Kit de Waal sehr dankbar, dass sie uns einige Fragen beantwortet hat.

Please describe what the story is about in 1 to 2 sentences.

Nine-year-old Leon and his perfect baby brother Jake have gone to live with Maureen, but the adults give Jake to strangers since Jake is white and Leon is not. As Leon struggles to cope with his anger, certain things can still make him smile – like Curly Wurlys, riding his bike fast downhill, burying his hands deep in the soil, hanging out with Tufty (who reminds him of his dad), and stealing enough coins so that one day he can rescue Jake and his mum.

What inspired you to write this book?

The setting – Britain in the early eighties – and the character of Leon, who first appeared as an adult in another novel I was writing, and wouldn’t leave me alone until I told his story.

What was the time frame for writing this book?

The book needed hardly any research and only took a year to write.

What´s your intention with this story?

I hope the characters are true and drawn with empathy.

Do you think that there was a change in foster care since the 80´s and which one are you proud of?

Not a whole lot has changed but foster care is still full of people trying to do their best for children.

What´s next up for you, writing-wise?

My second novel, The Dollmaker. Can’t say more yet!

Where´s your favourite writing place?

I can write anywhere, but my favourite time is at night when the world is quiet.

Do you read reviews on your book and how important are those for you?

It’s great when people enjoy what you’ve written, but you can’t let reviews dictate anything.

If you could change one thing in your life, what would you have done differently?

Nothing, my life has brought me to this point, which is fine by me.

Something personal about you people may be surprised to know?

I love tennis.

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag und an Kit de Waal für diese Geschichte und dafür, dass ich daran teilhaben durfte. Hier geht´s gleich weiter mit der Rezension zu Mein Name ist Leon.

Leon ist neun Jahre alt, als sein bisher schon holpriges Leben eine dramatische Wendung nimmt. Leons Vater sitzt im Gefängnis und seine Mutter Carol ist depressiv. Kurz nach der Geburt seines Bruders Jake muss Leon sich schon um ihn kümmern. Als sich die Situation zuspitzt und die Kinder nichts mehr zu essen haben und Carol komplett zusammenbricht, kommen Leon und Jake zu einer Pflegemutter. Maureen kümmert sich aufopferungsvoll um die beiden Jungs und Leon hat das erste Mal so etwas wie ein Zuhause. Und dann will es das Schicksal genau wissen und trennt Leon und Jake. Der kleine Jake wird adoptiert, weil er ein Baby ist – und weiß. Und Leon ist das alles nicht, denn Leon ist schon groß und nicht weiß. Er kann nicht verstehen, warum ihm alles genommen wird: sein Vater, seine Mutter, sein Zuhause, seine Spielsachen aber vor allem sein über alles geliebter Bruder. Er fühlt sich alleine und ungeliebt und fasst einen Plan……….

Die Geschichte von Leon ist eine Geschichte, die jeden einfach berühren muss. Noch nicht einmal ein Jahrzehnt alt, muss Leon lernen mit so manchem Schicksalsschlag, Ängsten und Schmerz umzugehen. Die Autorin hat es geschafft, durch ihre Erfahrung mit Adoptivkindern und dem Adoptionsvorgang in Großbritannien, ein sehr realistisches Bild auf zu zeigen. Leon liebt seine Mutter und seinen Bruder über alles, sie sind das einzige, was er hat. Als er nach Carols Zusammenbruch mit Jake zu seiner Pflegemutter muss, stellt sich für ihn so langsam ein „normales“ Leben ein, er muss sich nicht mehr alleine um Jake kümmern, dafür ist jetzt Maureen zuständig. Er geht auch wieder regelmäßig zur Schule, was er vorher oft nicht gemacht hat, weil sich sonst niemand um Jake gekümmert hat. Er könnte eigentlich wieder Kind sein, doch dann nimmt man ihm auch noch seinen kleinen Bruder weg. Für Jake Adoptiveltern zu finden war relativ einfach, Babies mit blonden Haaren und blauen Augen finden relativ schnell einen Platz. Farbige, größere Kinder haben es da schwieriger und so muss Leon alleine bei Maureen bleiben. Man verspricht ihm Briefe von Jake und dass er seine Mutter besuchen darf, aber keiner hält sich daran und Leon vertraut niemandem mehr. Er beginnt zu klauen, immer wenn er wütend ist, dann stiehlt er aus „Protest“ Geld aus Maureens Geldbörse, aber er gibt das Geld nicht für irgendwelchen Unsinn aus. Er spart es, für den Zeitpunkt, wenn er seinen Bruder zurückholen und sich um ihn kümmern kann und für ihn sorgen muss. Im Laufe der Geschichte lernt Leon zwei Männer kennen, die beide für ihn Vaterersatz sind. Die beiden Männer könnten unterschiedlicher nicht sein, beide bringen Leon aber auf ihre Art Dinge und Weisheiten bei, die er für sein späteres Leben vielleicht einmal brauchen kann. Vor allem aber sind sie ihm Freunde und die kann dieser bemerkenswerte Junge auf jeden Fall brauchen. Die Geschichte findet in den 80er Jahren statt, kurz vor der Hochzeit von Prinz Charles und Lady Di und den Brixton Riots (Unruhen entstanden dadurch, dass die Polizei in Brixton und Tottenham monatelang auf offener Straße Jugendliche gefilzt und auch angegriffen hatten, die Drogendealer treffen sollten, von Schwarzen aber wurde diese Aktion als purer Rassismus empfunden und es entstanden Krawalle. Es gab unzählige Verletzte und sogar Tote.). Als Leon endlich alles beisammen hat und seinen Bruder Jake holen will, gerät er in diese Krawalle und wird von seinen beiden neuen Freunden gerettet. Maureen hat sich fürchterliche Sorgen gemacht und ist im ersten Moment sehr böse auf Leon, doch das erste Mal in seinem Leben fühlt sich Leon zugehörig und geliebt. Und am Ende bekommt er dann einen Ratschlag von Maureen, der mir wirklich sehr ans Herz gegangen ist. „Was ich mit diesem lausigen Beispiel zu sagen versuche, ist Folgendes Leon: Das hier ist nicht dein ganzes Leben, Herzchen. Es ist nur ein Teil deines Lebens.“ (Seite 310). Und man kann nur hoffen, dass Leons Weg ab diesem Zeitpunkt eine positive Richtung nimmt. Die Geschichte wird zur Gänze aus der Sicht des neun- bzw. später zehnjährigen Jungen erzählt. Ein riesengroßes Kompliment an die Autorin, das hat sie meiner Meinung nach extrem gut umgesetzt, die Erzählung wechselt von lustig zu kindlich naiv, ist aber zu jedem Zeitpunkt absolut authentisch. Wie Leon zum Beispiel den Abschied von seinem Bruder Jake empfindet, wird – trotz aus Sicht eines Neunjährigen – sehr emotional und berührend dargestellt. Auch andere Teile dieser Geschichte haben mich immer wieder zu Krokodilstränen gerührt. Dies ist ein Roman, der zum Denken anregt, der aufzeigt, dass jeder sein Päkchen zu tragen hat. Leon ist für mich ein liebenswerter und mutiger Junge, der, mit der Hilfe von Maureen und seinen Freunden mit Sicherheit zu einem stolzen Mann heranwächst.

Fazit

Ein Roman, der dazu auffordert nicht weg zu sehen, der zum Nachdenken anregt, der den Leser mit Leon mitleiden lässt, der berührt und dessen Hauptfigur verzaubert.

AutorIn

Kit de Waal wurde in Birmingham als Tochter einer Irin (Sozialarbeiterin) und eines karibischen Vaters (Busfahrer) geboren. Fünfzehn Jahre lang arbeitete sie als Anwältin mit dem Schwerpunkt Straf- und Familienrecht und als Friedensrichterin. Außerdem hat sie einen Sitz in der Adoptionsbehörde und hat als Beraterin für die Sozialbehörde gearbeitet. Als ihre beiden Kinder erwachsen waren, hat sie angefangen Creative Writing in Oxford zu studieren und hat anschließend ihren ersten Roman veröffentlicht. Außerdem vergibt sie einmal im Jahr in Birkbeck, University of London, ein voll finanziertes Stipendium für junge SchriftstellerInnen unter dem Namen The Kit de Waal Creative Writing Scholarship.

Lieben Gruß, Alexandra

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