Maestra – L.S. Hilton

Maestra

 

Titel: Maestra

AutorIn: L.S. Hilton

Verlag: Piper Verlag GmbH

Format: Paperback, 384 Seiten, ISBN:978-3-492-06051-6

Preis: € 15,50 (A), € 14,99 (D)

Bewertung: 2 – 3 Pfoten

 

Wir haben uns vorgenommen für diesen Roman eine kleine Leserunde zu starten, das Buch einmal aus weiblicher und einmal aus männlicher Sicht zu beurteilen. Zu diesem Zweck haben wir beim Piper Verlag zwei Exemplare von Maestra von L.S. Hilton angefragt. Das Team dort war sehr zuvorkommend, hat uns tatsächlich auch beide Exemplare geschickt und dafür möchten wir uns wirklich herzlichst bedanken. Unsere Eindrücke haben wir vom 11. – 15. Juni 2016 auf Facebook geteilt und hier folgen nun die endgültigen Rezensionen.

Handlung

Judith Rashleigh arbeitet in London in einem angesehenen Auktionshaus namens British Picture. Sie liebt ihren Job, aber London ist eine teure Stadt und es ist schwierig mit einem durchschnittlichen Angestelltengehalt über die Runden zu kommen. Ihr beruflicher Aufstieg geht ihr nicht schnell genug, obwohl sie ehrgeizig ist und sich durch harte Arbeit einen ansehnlichen Kunstverstand zugelegt hat. Aufgrund dessen musste sie ihre Jugendfreundin Leanne auch nicht lange überreden einen Nebenjob in der Champagner Bar „Gstaad Club“ als Hostess  anzunehmen. Sie verdient gutes Geld und kann ihren Lebensstandard merklich verbessern, aber vor allem liebt sie es von den vorwiegend älteren Männern begehrt zu werden. Als sie ihren Chef dabei ertappt einen Gemäldebetrug  einzufädeln, verliert sie ihren Arbeitsplatz und ist nun gänzlich auf ihren Verdienst im Club angewiesen. Der Betrug lässt ihr keine Ruhe und Judith möchte den Verkauf des Gemäldes unbedingt verhindern. Eines Tages wird sie und ihre Freundin Leanne  von ihrem Stammkunden James  zu einer Reise an die Französische Riviera eingeladen. Schon bald wird sie merken, dass sich ihr Leben schlagartig ändern wird.

Meinung

Sie sagt:

Für unsere erste Leserunde wollten wir uns ein Buch aussuchen, das uns beide interessiert, wir haben uns umgehört und schließlich hat mein Mann mir Maestra vorgeschlagen. Anhand des Covers, des Klappentextes und einigen öffentlichen Meinungen waren wir uns dann einig, dieses Buch deckt unser beider Geschmack ab und die Entscheidung war getroffen. Die erste Hürde war also genommen und es konnte losgehen. Wir haben uns unterschiedliche Sichtweisen erhofft, aber so einig, wie in diesem Fall waren wir uns wohl noch nie J.

Und nun zum Buch: Die Geschichte beginnt gleich einmal mit einem ziemlich eindeutigen Prolog, der darauf schließen ließ, dass es sich hier nicht einfach um einen Roman sondern um einen erotischen Roman handelt, laut Internet sogar um einen Erotikthriller. Der Prolog ist allerdings nur von kurzer Dauer und dann steigt die Autorin in die eigentliche Geschichte ein. Judith ist eine ehrgeizige, junge Frau, die auf einen Durchbruch in der Kunstbranche als Galeristin hofft. Dafür hat sie sich nicht nur gutes Benehmen beigebracht, nein, sie hat fleißig studiert und auch noch zwei Fremdsprachen gelernt. Sie kommt zwar vom ersten Moment nicht gleich liebenswert rüber, aber zumindest wie eine normale Frau, die für ihren Beruf und ihre Ziele alles gibt. Und sie gibt alles – im wahrsten Sinne des Wortes. Aber darauf komme ich noch. Judith entdeckt, dass ihr Chef einen Betrug plant und möchte diesen auf jeden Fall verhindern. Die Autorin hat wirklich einen tollen Schreibstil, erzählt aus Judiths Sicht in der Ich-Form, ich fand die Passagen, in denen sie von Kunst schwärmt oder die Umgebung beschreibt wirklich toll geschrieben, leider hat sich Hilton nicht darauf konzentriert den Betrugsfall zum Hauptthema zu machen, sie wollte sich dem Erotikgenre bedienen und das ist meiner Meinung nach gewaltig in die Hose gegangen. Immer wieder „würzt“ sie die Geschichte mit expliziten Szenen, die für mich nichts Anregendes haben sondern eher abstoßend wirken. Ich kann es leider nicht anders ausdrücken. Judith entwickelt sich in kürzester Zeit zu einer wirklich nervenden, oberflächlichen, arroganten Person. Offensichtlich ist die Figur der Judith die einzig schöne Person in diesem Buch. Alle anderen Menschen, allen voran die männlichen Protagonisten, sind reich, hässlich, fett und offensichtlich dumm („Dabei hatte ich generell gar nichts dagegen, hässliche Leute zu f*****, da bin ich ganz demokratisch……“ S. 263). Dazu kommt auch noch ihre Gier und die Tatsache, dass sich die Geschichte plötzlich nicht mehr um den Betrug und das Gemälde dreht, sondern einzig und alleine um Judiths Vorlieben und ihr neues Hobby: Leute umbringen. Es gibt keinerlei Hinweise oder einen Grund, warum sie plötzlich zu einer eiskalten Mörderin wird, das wird auch im Laufe des Buches nicht erklärt. Die Handlung ist einfach viel zu verwirrend, macht meistens gar keinen Sinn. Was mir noch aufgefallen ist, und mich wahnsinnig gestört hat, ist die ständige Erwähnung von Markennamen (Prada, Gucci, Balenciaga). Es ist ja okay, wenn eine Person gerne Markenklamotten trägt, aber dieses Buch ist eine einzige Werbekampagne für hochpreisige Konsumgüter. Mir ist es reichlich egal, ob die Hauptfigur einen Rock von Louis Vuitton trägt oder von H&M!!!!! Was hat das mit der Geschichte zu tun????

Abschließend kann ich nur noch einmal erwähnen, dass die Schreibweise der Autorin mir eigentlich gut gefallen hat, aber sie hätte sich meiner Meinung nach lieber auf die Sache mit dem Betrug konzentrieren sollen, den Rest hätte ich überhaupt nicht gebraucht.

Gutgemeinte 2 von 5 Pfoten

Er sagt:

Unbestritten handelt es sich bei diesem Buch um ein Werk das polarisiert. Das L.S. Hilton ihr Handwerk beherrscht, zeigt uns die Tatsache, dass der Text stilistisch einwandfrei verfasst wurde. Die Hauptfigur Judith und teilweise die verstörende Handlung sorgten dafür, dass das Lesen in Abschnitten zur Qual wurde. Um ehrlich zu sein, ich weiß nicht was ich von dem Buch halten soll. Ich glaube ich habe noch nie eine literarische Figur derart gehasst wie Judith. Sie ist geldgierig, machtbesessen und richtiggehend abscheulich. Nicht nur ihre sexuellen Vorlieben sind für mich abstoßend auch ihre Art und Weise ihre Ziele zu erlangen, sind unsagbar widerlich. Das Buch wurde aus der Sicht Judiths geschrieben. Ich konnte mich nicht in Judith hineinversetzen, sonst wäre ich gezwungen gewesen, aufgrund ihrer Handlungen, mich selbst zu hassen. Wie ich bereits in der Leserunde angemerkt habe, bin ich es gewohnt Erzählungen aus der Sicht des Opfers oder eines Ermittlers zu lesen und nicht aus dem Blickwinkel einer berechenbaren Schlampe. Die Story wäre für mich in Ordnung gewesen, wenn es nicht ständig zu überflüssigen, leider zu detaillierten, weil meist ekeligen, Sexszenen gekommen wäre. Teilweise schüttelte ich ungläubig den Kopf über das gerade Gelesene. Die Ausdruckform die Judith benutzte war in vielen Bereichen unglaubwürdig. Ich kann mir beim besten Willen niemanden vorstellen, der oder die Judiths Wortwahl benutzen würde. Die Dialoge passen einfach nicht zu dem restlichen Text bzw. zu einer Frau die in einem klassischen Auktionshaus gearbeitet hat.  Die Schlüsselszene findet für mich in Südfrankreich statt, als James Judith wegen seiner eigenartigen sexuellen Vorlieben zur Maestra/Herrin gemacht hat. Ab diesem Zeitpunkt war sie wie ausgewechselt und  sie wurde  sich ihrer Macht als Frau bewusst, die sie auch unter keinen Umständen mehr verlieren möchte.

Und jetzt kommen wir zu einer großen Überraschung. Obwohl ich das Buch schon beenden wollte und es in meinem nicht vorhanden Kamin verbrennen wollte, werde ich tatsächlich drei Pfoten vergeben. Wenn es ein Buch schafft, dass man darüber spricht (und glaubt mir ich habe mit Alexandra nach jedem verfassten Leseabschnitt viel über dieses Buch diskutiert), dann verdient es keine „ amputierter Hund Bewertung“, also Null Pfoten.  L.S. Hilton kann Schreiben und mit Hilfe eines perfekten Marketings hat sie gemeinsam mit dem Piper Verlag ein interessantes Buch entwickelt, dass nicht aufgrund seiner Handlung glänzt, sondern mit unsympathischen Charakteren und für mich nicht verständlichem Sex für Kopfschütteln sorgt und die Geister scheiden lässt. Es würde mich nicht wundern, wenn dieses Buch in Hollywood verfilmt wird.

Aber ihr müsst euch von diesem Buch selbst ein Bild machen. 3 von 5 Pfoten daher von mir

AutorIn

L.S. Hilton wuchs in Nordengland auf, studierte Englische Literatur in Oxford und anschließend Kunstgeschichte in Paris und Florenz. Danach zog es sie nach Key West, New York, Paris und Mailand, wo sie als Journalistin, Kunstkritikerin und Rundfunksprecherin arbeitete. Vor Kurzem ist sie nach England zurückgekehrt und lebt dort mit ihrer Tochter. Maestra ist bereits ihr neuntes Buch, bisher veröffentlichte Hilton jedoch nur historische Sachbücher und Romane.

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