Küstenfluch – Hendrik Berg

 

Verlag: Goldmann

Format: Taschenbuch, 314 Seiten, ISBN: 978-3-442-48556-7

Preis: € 10,30 (A), € 9,99 (D)

Bewertung:

 

Lügengrab war für mich im vergangenen Jahr eines der besten Bücher, die ich gelesen habe. Der Stil von Hendrik Berg und die Atmosphäre in der er mich versetzt, beeindruckt mich. Ich habe anfangs nicht viel erwartet von dem Buch, habe aber alles bekommen. Probiert es aus, vielleicht geht es euch genauso. Aus diesem Grunde musste ich einfach das neue Werk Küstenfluch besorgen,

Husum ist das neue zu Hause von Kommissar Krumme. Vier Wochen ist es nun her, dass er Berlin endgültig den Rücken gekehrt hat und von nun an seinen Dienst in Schleswig-Holstein verrichtet. Mit dem Wechsel nach Husum hat Krumme eindeutig an Lebensqualität hinzugewonnen, ist er doch dem Schmutz und dem ständigen Lärm der immer quirligen Hauptstadt entflohen und genießt stattdessen die frische salzige Luft Nordfrieslands. Mit seinen mittlerweile 55 Jahren ist er froh, es ruhiger angehen zu lassen.

Die Natur und die Umgebung ist das eine, doch Arbeit ist das andere. Dienstlich machen es ihm die Kollegen zu Beginn nicht einfach. Zu groß das anfängliche Misstrauen über den Neuzugang aus Berlin, der sich mit Sicherheit für etwas Besseres hält, vor allem seit er letztens in seinem Urlaub den Fall auf der Hallig Hooge mehr oder weniger im Alleingang gelöst hat. Patrizia Reichel, gerade mal 24 Jahre alt und frisch von der Polizeiakademie, ist Krummes neue Partnerin. Ehrlicherweise hatte er sich einen anderen Partner gewünscht. Der Altersunterschied zwischen den beiden ist beträchtlich und so dauert es eine Weile, bis sich die beiden zusammenraufen. Lustig müssen sie schon aussehen, der 55-jährige Krumme im fortgeschrittenen Alter und an seiner Seite die noch junge Pat, die ihm noch dazu körperlich überragt, wenn sie so durch das Städtchen Husum marschieren. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten mit den Kollegen ist Krumme dennoch froh hier zu sein, er gehört zu den glücklichen, die dort arbeiten, wo andere Urlaub machen.

Lange hat er auch nicht Zeit sich einzugewöhnen, das Verbrechen lauert auch an der Küste der Nordsee. Just zur gleichen Zeit als das Wattenmeer  ein neues Schiffswrack beim letzten Orkan freigegeben hat, häufen sich seltsame Todesfälle.  Bauer Jessen ist eines der Opfer. Er wird tot in seiner Scheune aufgefunden. Alles spricht für einen Unfall, ein Sturz vom Heuboden. Doch Krumme und Pat sind skeptisch. Er und seine Partnerin glauben nicht an einen Unfall und stellen unangenehme Nachforschungen an. Wo gibt es hier einen Zusammenhang mit dem plötzlich aufgetauchten Schiffswrack, dass für die Touristen in der Gegend eine neue Attraktion darstellt und was hat es mit Jessens kleinen Neffen Jan auf sich? Hat der junge Vorahnungen oder handelt es sich lediglich um realitätsnahe Albträume?

In Lügengrab wählte Hendrik Berg die Hallig Hooge als Hauptschauplatz, als Österreicher ohne Meerzugang finde ich diese Halligen faszinierend. Auch  in Küstenfluch lässt Berg seine Szenen an traditionsreichen Orten spielen. Diesmal entführt er die Leser oft in sogenannte Haubargen, den typischen Bauernhäusern Nordfrieslands. Mit ihrem meist roten Mauerwerk schmücken sie vor allem die ländliche Gegend auf der Halbinsel Eiderstedt.  Hendrik Berg hat die Gabe die Schauplätze derart realistisch in Worten festzuhalten, sodass man sich als Leser unweigerlich in Nordfriesland wiederfindet. Eine weitere Stärke sind die Charaktere, die Hendrik zeichnet. Realistisch, heimatverbunden, zum Teil nordisch kühl aber in keinster Weise unsympathisch und auf jeden Fall passend zu der Gegend.

Die Geschichte handelt von tragischen Vorfällen, deren Aufklärung, aufgrund familiären Zusammenhalts, massiv erschwert werden. Die Ungereimtheiten rund um die Verbrechen sind für den Leser in jeder Zeile spürbar und werfen nicht nur für Krumme Fragen auf. Dazwischen ein kleiner Junge, der von prophetischen Albträumen geplagt wird und dessen Eltern der Tatsache, dass ihr Sohn Vorahnungen in seinen Träumen hat, scheinbar hilflos gegenüberstehen, keinen Rat wissen, um ihm zu helfen und ihn daher mit seinen Problem alleine lassen. Werden Krumme und Pat hinter das Geheimnis der Familie Jessen kommen und vor allem wie kann Jan geholfen werden?

Das Buch ist wie immer flott geschrieben. Auf insgesamt 315 Seiten, unterteilt in 51 Kapitel plus Epilog kann man sich für kurze Zeit auf Verbrecherjagd in Nordfriesland begeben. Lügengrab hat mir allerdings im Vergleich zu diesem Krimi einen Tick besser gefallen, sowohl atmosphärisch als auch erzählerisch, aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Fazit

Mystisch angehauchter, mit einem Hang zum Übersinnlichen, Kriminalroman.

Autor

Hendrik Berg wurde 1964 in Hamburg geboren. Nach einem Studium der Geschichte in Hamburg und Madrid arbeitet er zunächst als Journalist und Werbetexter. Seit 1996 verdient er seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben von Drehbüchern. Er wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Köln.

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