Interview mit einem Mörder – Bernd Aichner

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Verlag: Haymon Verlag

Format: gebunden, 288 Seiten, ISBN 978-3-7099-7133-8

Preis; € 19,90 (A,D)

Bewertung:

3 von 5 Pfoten

 

Bernd Aichner zählt definitiv zu den bekanntesten, österreichischen Krimiautoren, daher war es nur eine Frage der Zeit, bis wir endlich ein Buch von ihm auf unserem Blog vorstellen dürfen. Wir haben uns für einen Max Broll-Krimi entschieden und zwar für den derzeit aktuellsten Interview mit einem Mörder.

Max Broll ist Totengräber in der Provinz, ein Trinker und ein Träumer. Der beste Freund von Max, der ehemalige Fußballstar Johann Baroni, wird Opfer eines Attentats. Bei der Eröffnung seines eigenen Würstelstandes, wird er aus dem Hinterhalt angeschossen und dabei lebensgefährlich verletzt. Baroni war in der Vergangenheit kein Unschuldslamm, war er doch für geraume Zeit dem Alkohol und dem Glückspiel verfallen. Möglicherweise hat er noch nicht alle Schulden seines früheren Lebens beglichen?

Max Broll ist sich sicher, den Täter gesehen und erkannt zu haben. Blöd nur, dass Max zu diesem Zeitpunkt nicht gerade geistig auf der Höhe war, da er kurz zuvor mit dem afrikanischen Dorfpfarrer Akofa, dessen Gras aus eigener Plantage probegeraucht hat. Er beschuldigt einen Touristen aus Wuppertal der vermeintliche Schütze zu sein, doch erstens hat er kein Motiv, zweitens hat er keine Waffe und drittens hat ihn auch kein anderer gesehen, außer Max.  Derer ehemalige Journalist, der sich seit geraumer Zeit für den stressfreien Beruf als Totengräber in seinem Heimatdorf entschieden hat, lässt sich allerdings von seinem Verdacht nicht abbringen und ermittelt daraufhin auf eigene Faust.

Auffallend für mich waren weder die Geschichte, obwohl sie gut gelungen aber doch sehr vorhersehbar ist, noch die Figuren, obwohl diese auch durchwegs sympathisch sind, nein, es war der Schreibstil. Bernd Aichner verwendet in diesem Buch beinahe ausschließlich kurze, abgehackte Sätze. Ich finde diese Art von Schreibstil als Leser sehr gewöhnungsbedürftig.  Ob ein Text, der beim Lesen an stakkatoartige Maschinengewehrsalven erinnertals literarisch empfunden wird, dass muss jeder Leser für sich selbst entscheiden.  Meinen Geschmack hat er damit leider nicht  getroffen. Die Dialoge hingegen, fand ich wiederum  sehr gut geschrieben. Diese waren zwar  auch nur auf das Wesentliche konzentriert, aber immer auf den Punkt gebracht.  Zwischenzeitlich hatte ich den Eindruck, dass der Autor kurzfristig seinen selbst auferlegten Schreibstil verloren hat, um kurz darauf wieder festzustellen, dass es leider nicht so war.

Die Figuren empfand ich als skurril. Zum einen der Hauptdarsteller, den ich trotz seiner Eigenheiten als ziemlich naiv aber liebenswert empfand, dann Baroni, der mich ein wenig an das Original Toni Polster erinnerte oder aber auch der afrikanische Dorfpfarrer Afoka, der von Max liebevoll „Bimbo“ genannt wird. Auch eine Liebesgeschichte wurde in diesem Buch verpackt. Max der sich genau genommen schon von dem Gedanken abgewendet hat nochmal eine Frau in seinem Leben kennenzulernen, verliebt sich auf seiner Ermittlungsreise tatsächlich in die Journalistin Anna. Aufgrund der Sympathie, die man dem treuherzigen Max entgegenbringen muss, habe ich ihm die Beziehung mit Anna regelrecht gegönnt.

Alles in Allem handelt es sich um einen amüsanten Provinzkrimi, der das Thema Freundschaft und Vertrauen behandelt und mich etwas an die Brenner Romane von Wolf Haas erinnert hat. Mit seinen knapp 300 Seiten liest sich das Buch außerordentlich schnell, natürlich auch geschuldet, aufgrund der Erzähldynamik und der kurzen Sätze.

Fazit

Netter unterhaltsamer Krimiplot, mit einer Ansammlung merkwürdiger, aber gefälligen Figuren in der nicht ganz so friedfertigen Provinz.

Autor

Bernhard Aichner (1972) lebt als Schriftsteller und Fotograf in Innsbruck. Er schreibt Romane, Hörspiele und Theaterstücke. Für seine Arbeit wurde er mit mehreren Literaturpreisen und Stipendien ausgezeichnet, zuletzt mit dem Burgdorfer Krimipreis 2014 und dem Crime Colgne Award 2015.

Liebe Grüße, Thomas

Zur Verfügung gestellt von:

Press & Books

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