Ihr tötet mich nicht – Shannon Kirk

Ihr tötet mich nicht

 

Titel: Ihr töte mich nicht

Autorin: Shannon Kirk

Verlag: Goldmann Verlag (Verlagsgruppe Randomhouse GmbH)

Format: Taschenbuch, 350 Seiten, ISBN:978-3-442-48433-1

Preis: € 10,30 (A), € 9,99 (D)

Bewertung: 3 von 5 Pfoten

 

Eines meiner Lieblingsgenres ist definitiv der Psychothriller. Ich liebe es wenn mir ein Buch Einblicke in die Abgründe der menschlichen Psyche gewährt, deswegen habe ich mich sehr darüber gefreut, dass mir der Goldmann Verlag über http://www.bloggerportal.de/ ein Leseexemplar hat zukommen lassen. „Ihr tötet mich nicht“ ist das Erstlingswerk von Shannon Kirk.

Handlung

Die im siebten Monat hochschwangere Lisa wird auf dem Heimweg von der Schule entführt. Die Entführer haben es auf ihr noch ungeborenes Baby abgesehen, dass sie nach der Geburt verkaufen möchten. Während ihrer Gefangenschaft erhält sie regelmäßig Besuche von Interessenten und von Ärzten, die sich um das leibliche Wohl des ungeborenen Kindes sorgen. Sie selber wird nur als eine Art Brutmaschine angesehen, dessen Schicksal nach der Niederkunft besiegelt scheint. Bei den Entführern handelt es sich um ein Brüderpaar, das eine schwierige Kindheit durchlebt hat. Womit die beiden allerdings nicht gerechnet haben: Lisa verfügt über einen herausragenden IQ und die Gabe oder Bürde sämtliche Emotionen ausblenden zu können und sich ausschließlich auf das Wesentliche zu konzentrieren. In ihrem Fall, die Flucht aus ihrer Gefängniszelle und die Tötung ihrer Entführer. Tag für Tag sammelt sie dafür Gegenstände, die sie in Gedanken als Pluspunkte durchnummeriert und sie geschickt für ihre spätere Bestimmung in ihren Racheplan einbindet. Parallel sind Special Agent Roger Lui und seine Partnerin Lola mit dem Verschwinden des jungen Mädchens befasst. Die Spur führt Liu und seine Partnerin zu einem roten Lieferwagen.

Meinung

Gleich zu Beginn des Buches findet man sich beinahe unvermittelt in den Gedanken von Lisa wieder. Wie sie trocken und emotionslos über ihre Situation in ihrem Gefängnis nachdenkt und sich einen Plan zur Rache zurechtlegt, versetzt den Leser in eine eigenartige, anfangs faszinierende Stimmung. Grenzenloser Hass, Abscheu und Angst um ihr Baby werden auf den ersten Seiten eindrucksvoll vermittelt. So vielversprechend der Beginn war, so langatmig waren dann leider die weiteren Kapitel. Irgendwann gewöhnt man sich an die Stimmung und man empfindet die weitere Erzählung als spannungslose Aufzählung der gesammelten Pluspunkte, bis schlussendlich der vorhersehbare Racheakt durchgeführt wird. Gegen Ende hin wird es aber dann nochmals spannend, wobei viele Dinge für mich einfach zu übertrieben gewirkt haben. Ich würde die Geschichte auch eher als einen normalen Thriller einstufen. Die Figuren haben zwar allesamt irgendeinen psychischen Knacks, aber das alleine ist für mich nicht Grund genug das Buch als Psychothriller einzustufen.

Lisa hatte es in ihrem bisherigen noch jungen Leben nicht leicht. Im Alter von sechs Jahren, kam es in ihrer Schule zu einem Amoklauf. Bei der darauffolgenden psychologischen Betreuung, haben Ärzte festgestellt, dass Teile von Lisas Gehirn überdurchschnittlich groß ausgeprägt sind. Um es medizinisch auszudrücken, ihr Frontallappen, der für das logische Denken zuständig ist, ist größer als bei anderen Menschen. Dies führt zwar nicht dazu, dass sie keine Gefühle empfindet, sie ist jedoch außergewöhnlich gut darin, Ablenkungen und unproduktive Gedanken auszublenden. Sie handelt methodisch, kalkuliert und wie bereits erwähnt emotionslos. Zwei Gefühle lässt sie aber zu, unbändigen Hass gegenüber ihren Entführern und Liebe, soweit es ihr möglich ist, für ihr Baby.

Shannon Kirk erzählt nicht nur aus der Sicht des Entführungsopfers Lisa, sondern auch aus der Sicht des damaligen FBI Special Agend Roger Lui. Dies verschaffte dem ganzen Erzählstrang eine gewisse Abwechslung, aber auch die Maßnahmen die das FBI damals getroffen hat, erinnern in weiten Teilen eher an einen emotionslosen, chronologischen Polizeibericht. Wenn ihr mich fragt, welche Sicht mir besser gefallen hat, dann war es trotzdem die von Liu. Ich empfand ihn einfach eine Spur sympathischer auch wenn ich gerne mit dem Mädchen mitgelitten hätte, aber aufgrund ihrer psychischen Beeinträchtigung, war es mir nicht möglich.  Auch Roger Liu hatte ein einschneidendes Erlebnis in seiner Kindheit, dass ihn letztendlich zum FBI gebracht hat.

Roger Lui arbeitet mit seiner langjährigen Partnerin Lola zusammen. Zusammen sind die beiden eine Art Superhelden-Duo. Luis Sehvermögen ist derart gut ausgeprägt, dass es an der Grenze des Messbaren ist und Lolas Geruchsinn ist vergleichbar mit der Nase eines Hundes. Wie ich finde eine eigenartige Konstellation und vielleicht ein Hauch zu übertrieben. Die Geschichte an sich finde ich gelungen. Leider hat es Shannon Kirk etwas zu gut gemeint. Ich hätte keinen MacGyver-Racheplan (ihr wisst schon ein Kaugummi und ein Faden, fertig ist die Bombe) oder Superhelden als Ermittler, gebraucht. Ich glaube man hätte noch viel mehr mit der Stimmung spielen können, sodass aus einem normalen Thriller tatsächlich ein Psychothriller wird.

Da es sich bei diesem Buch um ein Erstlingswerk der Autorin handelt, möchte ich aber unbedingt betonen, dass ich schon schlechtere Erstlingswerke gelesen habe. Außerdem habe ich ja vor kurzen auch zwei frühe Bücher von Tess Gerritsen rezensiert und auch diese waren nur durchschnittlich und in keinster Weise mit ihren Erfolgsthrillern vergleichbar, aber im Laufe der Zeit hat sie sich zu einer der beliebtesten Thriller-Autorinnen gemausert. Das wünsche ich Shannon Kirk natürlich auch, die Ansätze sind jedenfalls da und ich bin mir sicher, dass sie bei ihren nächsten Büchern ihren Stil finden wird und wir noch sehr viel Lesespaß mit ihr haben werden.

Fazit

Gute Idee, leider für mich nicht überzeugend umgesetzt. Ansätze waren vorhanden, doch wurde das anfängliche Niveau nicht bis zum Schluss durchgehalten.

Autor

Shannon Kirk ist Anwältin, sie lebt und arbeitet in Massachusetts. Sie ist verheiratet und hat einen Sohn. Bei diesem Buch handelt es sich um ihr Romandebüt. Filmrechte und Übersetzungsrechte wurden bereits verkauft.

 

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