Gangsterland – Tod Goldberg

gangsterland

 

Verlag: C. Bertelsmann Verlag

Format: Klappenbroschur, 379 Seiten, ISBN: 978-3-570-10300-5

Preis: € 15,50 (A), € 14,99 (D), € 11,99 (ebook)

Bewertung:

4 von 5 Pfoten

 

Auch diesmal hat uns Press & Books wieder mit einem tollen Thriller ausgestattet, herzlichen Dank dafür. Gangsterland von Tod Goldberg, vielleicht einigen bekannt als Mastermind der amerikanischen Fernsehserie Burn Notice mit Jeffrey Donovan, gewährt uns einen Einblick in die Welt des organisierten Verbrechens. Dieser nicht ganz ernst zu nehmende Thriller ist bereits im Jahr 2014 erschienen und hat jetzt auch den Weg zum deutschen Publikum gefunden. Seine Hauptfigur Sal Cupertine, Auftragskiller der „Familie“ in Chicago ist – unerwarteter weise – absolut sympathische (zumindest mir).

Obwohl die „Familie“ in Chicago seit Jahren eine stillschweigende Übereinkunft mit der Polizei und dem FBI hat, kann Sal Cupertine, 35, es einfach nicht auf sich beruhen lassen, dass drei Bundesagenten versuchen ihn bei einem eingefädelten Drogendeal auszuspionieren. High vom dort angebotenen Heroin und wütend über die Vorgehensweise der Männer rastet er aus und tötet alle drei inklusive dem anwesenden Informanten. Und weil ihm sofort bewusst ist, dass die Sache für ihn nicht gut ausgehen kann, ist er umso mehr erstaunt , als die Familie ihm aus dieser Situation hilft. Er wurde so schnell wie möglich weggeschafft. Weg aus seinem Leben, weg von seiner Frau Jennifer und weg von seinem Sohn William und weg von allem, was er bisher kannte. Einige Tage später findet das FBI seine vermeintliche Leiche. Doch Sal ist nicht tot, im Gegenteil, er ist in Las Vegas. Aber nicht, wie man vielleicht gerne annehmen würde, um Party zu machen. In den nächsten sechs Monaten muss er sich einigen Operationen unterziehen, um sein Äußeres so zu verändern, dass er sich eine neue Identität zulegen kann.

In der Zwischenzeit versucht Special Agent Jeff Hopper, der für das Treffen und somit für den Tod von vier Menschen verantwortlich ist, nach Sal Cupertine. Er ist sich nämlich ganz sicher, dass die aufgefundene, verstümmelte Leiche nicht Sal ist. Mit Hilfe seines jungen Kollegen Matthew Drew macht er sich auf den Weg zu Jennifer Cupertine, um irgendetwas heraus zu finden. Er wünscht sich für den Tod seiner Kollegen Gerechtigkeit und die kann es nur geben, wenn er den Auftragskiller findet und er seine Strafe bekommt. Doch diese Aktion bringt ihm nur eine Suspendierung und Drew die Kündigung ein. Von diesem Moment an ermitteln die beiden auf eigene Faust und stellen sich die Frage, warum das FBI in dieser Sache nicht weiter ermittelt.

In Las Vegas wird in derselben Zeitspanne aus Sal Cupertine David Cohen, ein angehender Jungrabbiner in der Gemeinde von Rabbi Kales. Durch Cohens fotografisches Gedächtnis ist es für ihn ein Leichtes die heiligen Schriften des jüdischen Glaubens innerhalb kürzester Zeit zu erlernen und zu verstehen. Was er allerdings in dieser kurzen Zeit noch lernt: Auch hier in Las Vegas hat die Mafia, die Kosher-Nostra und vor allem Rabbi Kales und sein Schwiegersohn Bennie, überall ihre Finger mit im Spiel. Unlautere Machenschaften, Erpressung, Auftragsmord und so beginnt für Sal Cupertine alias David Cohen sein altes Leben, unter dem Deckmantel der Religion, von Neuem.

Ich gebe es gleich mal vorweg zu: Ich habe absolut keine Ahnung von Mafia-Geschichten. Ich kenne weder Bücher, noch habe ich jemals Der Pate oder sonstige Filme darüber gesehen, aber ich fand die Geschichte absolut unterhaltend. Nicht zu detailliert (mit abgeschnittenen Fingern, Folter, „Betonpatschen“), meiner Meinung nach aber realistisch dargestellt (zB wird erwähnt, dass sich einige Mitglieder der Familie in anderen Staaten auf Cyberkriminalität spezialisiert haben und mit der Mafia, so wie man sie aus alten Filmen kennt, nichts gemein haben und auch keine Menschen töten). Was ich damit sagen möchte ist, dass ich mir vorstellen kann, dass die Mafia heutzutage genau so arbeitet. Der Roman ist toll geschrieben, einfach zu lesen, es herrscht keine Verwirrung durch irgendwelche bei den Haaren herbeigezogenen Namen der mitwirkenden Personen. Die Geschichte hat Hand und Fuß und der Einblick in den jüdischen Glauben war auch sehr interessant (es gibt immer wieder Ausschnitte aus Tora, Tanach, Talmud…..).

Erzählt wird die Handlung aus verschiedenen Perspektiven. Zu allererst aus Sal Cupertines Sicht, die von allen meiner Meinung nach auch die interessanteste ist. Zu Beginn erzählt er über den Vorfall mit den Bundesbeamten, wie es dazu kam und warum er ausgetickt ist. Über seine Flucht, seine Operationen und seine Gefühle seiner Frau und seinem Sohn gegenüber. Nachdem er seine neue Identität angenommen hat, erzählt er die Geschichte aber weiter aus David Cohens Sicht. Er spricht von sich selbst auch nur noch als David Cohen, nimmt die Person also voll und ganz an und wächst in diese Rolle komplett hinein. Er erzählt von seinen Lehren der heiligen Schriften, aber vor allem von der Sehnsucht nach seiner kleinen Familie. Zu Beginn wirkt Sal/David eher Gleichgültig. Er ist von seiner Frau und seinem Sohn getrennt, macht sich aber kaum Gedanken darüber. Doch im Laufe der Zeit, spätestens, als all seine Wunden endlich verheilt sind und es ihm körperlich besser geht, da kommt er immer wieder ins Grübeln. Er erkennt sich selbst nicht mehr im Spiegel und vergisst auch langsam Kleinigkeiten das Aussehen seiner Frau und William betreffend. Das nimmt ihn offensichtlich sehr mit, treibt dem harten Mann geradezu die Tränen in die Augen. Ab diesem Zeitpunkt ist es auch für den Leser – also zumindest war es für mich so – schwer, diese Figur nicht doch ein wenig sympathisch zu finden, aber vor allem Mitleid mit ihm zu haben. Er liebt seine Jennifer und William wirklich von tiefstem Herzen und möchte unbedingt einen Weg finden, die beiden in ein paar Jahren irgendwie wieder zu sehen und als Familie mit ihnen zusammen zu leben.

Jennifer Cupertine ist eine starke Frau. Sie liebt Sal und weiß mit Sicherheit mehr darüber, was er „beruflich“ macht, als er ihr je erzählt hat bzw als er ihr zugesteht. Sie muss sich jetzt alleine um ihren Sohn kümmern. Ob Sal tot ist, das weiß sie nicht 100%ig, aber sie glaubt es nicht und hofft darauf, dass er irgendwann zurück kommt. Der Polizei, besser gesamt Jeff Hopper, hilft sie allerdings auch nicht dabei Sal zu finden, hält absolut dicht und loyal zu ihrem Mann.

Und dann haben wir da noch die Figur Special Agent Jeff Hopper. Seine drei Kollegen plus der Informant waren die zu betrauernden Opfer von Sal Cupertine. Er weiß zwar, dass er nicht wirklich schuld an der Sache ist, hat aber trotzdem Schuldgefühle und verbringt mehr Zeit beim Therapeuten als im Büro. Er wurde wegen seines Fehlers beim Treffen der Agenten mit Cupertine einen Dienstgrad herabgestuft und alle anderen Kollegen meiden ihn seither. Als er sich mit seinem Kollegen Matthew Drew auf den Weg zu Jennifer Cupertine macht, denkt er wieder einmal nicht über die Konsequenzen nach und riskiert damit seinen Job. Aber er ist sich sicher, dass Sal noch lebt und will unbedingt Gerechtigkeit. Auch wenn es auf eigene Faust sein muss.

Mafia-Romane sind und werden nicht meine große Liebe, aber Tod Goldberg hat es geschafft, einen Roman zu schreiben, den ich gerne gelesen habe. Die Figur des David Cohen hat mich fasziniert, weil er eigentlich der Böse ist, mir aber trotzdem irgendwie ans Herz gewachsen ist. Alleine die aufrichtige Liebe für seine Frau und seinen Sohn haben mich von seinem (tief im inneren versteckten) guten Charakter und Herz überzeugt. Die realistisch wirkende Handlung war spannend, interessant und überraschend. Ich habe einen kleinen Einblick in die Welt der Mafia und das Judentum erhalten und somit ist auch der Bildungsauftrag erfüllt.

Fazit

Gut durchdachte Mafia-Story (soweit ich das beurteilen kann) um einen sympathischen Auftragskiller.

AutorIn

Tod Goldberg wurde 1971 in Berkley, Kalifornien, geboren. Er kommt aus einer Schriftstellerfamilie. Sein Bruder ist Lee Goldberg, seine Schwestern sind Linda Woods und Karen Dinino. Er ist Journalist und Autor und lebt mit seiner Frau Wendy Duren in La Quinta, Kalifornien. Auch seine Frau ist Autorin.

Lieben Gruß, Alexandra

Mit freundlicher Unterstützung von

Press & Books

 

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