Flawed: Wie perfekt willst du sein? – Cecelia Ahern

flawed

 

Verlag: S. Fischer Verlag GmbH

Format: geb. Ausgabe, 461 Seiten, ISBN: 978-3-8414-2235-4

Preis: € 19,60 (A), € 18,99 (D), € 14,99 (ebook)

Bewertung:

5 von 5 Pfoten

 

Cecelia Ahern ist wohl jedem ein Begriff seit die Autorin im Jahr 2002 ihren Bestseller P.S. Ich liebe dich veröffentlichte, der unter anderem auch von Hollywood verfilmt wurde. Mit ihrem neuesten Projekt Flawed wagt sich die Schottin an ein neues Genre , einen All-Age-Roman, wie sie es nennt. Wir haben von Press & Books bereits vor dem Veröffentlichungstermin ein Exemplar erhalten und möchten uns ganz herzlich dafür bedanken. Natürlich waren wir sehr gespannt, was dieser Roman zu bieten hat.

Celestine ist 17 Jahre alt und lebt mit ihren Eltern, Summer und Cutter, und ihren Geschwistern Juniper und Ewan in einem Ort, in dem „die Gilde“, eine vor Jahren von der Regierung eingesetzte Institution, die über moralisch und ethisch fehlerhaftes Verhalten entscheidet, mit strenger Hand ihre Ziele durchsetzt. Wer sich falsch verhält und als „Fehlerhaft“ verurteilt wird, wird mittels eines „F“ an einem von fünf Körperstellen gebrandmarkt und muss ein von der Gilde vorbestimmtes Leben mit extremen Regeln leben: kein Kontakt zu nicht Fehlerhaften, kein Luxus, Ausschluss aus der Gemeinschaft, tragen einer roten Armbinde mit einem „F“ und die Brandmarkung selbst. Diese Menschen haben sich keiner illegalen Handlung schuldig gemacht und müssen daher nicht ins Gefängnis, mir stellt sich aber bereits nach den ersten 50 Seiten die Frage, ob ein Aufenthalt dort nicht das kleinere Übel wäre. Beim Lesen der ersten Kapitel muss man sich ständig fragen, was moralisch und ethisch gesehen eigentlich richtig und was falsch ist, könnte ich das objektiv entscheiden? Die Willkür der Verurteilungen ist regelrecht beklemmend, es scheint so, als würde der zuständige oberste Richter Bosco Crevan seine Macht hier sehr ausnutzen. Als ein berühmter Fußballspieler als „nicht fehlerhaft“ freigesprochen wird, nachdem er seine Ehefrau betrogen hat, ändert sich Celestines Sichtweise auf die Gilde, obwohl sie bisher ihr größter Verfechter war. Sie kannte bisher nichts anderes und fand es gut, dass es jemanden gibt, der für Recht und Ordnung sorgt und dafür, dass die Menschen in ihrem Land vermeintlich perfekt sind. Ihr Freund Art ist der Sohn von Richter Crevan und daher kennt sie den Mann sehr gut, verbringt sehr viel Zeit in seinem Haus.

Eines Tages kommt Celestine mit ihrer Schwester und ihrem Freund Art in eine Situation im Bus, bei der sie einem „Fehlerhaften“ hilft, der vor lauter Husten fast zu ersticken droht. Keiner der beiden hilft ihr, Art warnt sie und Juniper weint die ganze Zeit, weil sie weiß, was es bedeutet, wenn man einem Fehlerhaften hilft. Innerhalb kürzester Zeit wird sie von der durchführenden Exekutive der Gilde, den Whistleblowern, vom Ort des Geschehens abgeführt und in eine Zelle verfrachtet, um auf ihren Prozess zu warten. Celestine stellt sich in diesem Moment die gleiche Frage, die ich mir hier gestellt habe: Wie moralisch und ethisch verwerflich ist es eigentlich einem leidenden Menschen Hilfe zu untersagen, nur weil er von der Gesellschaft als „Fehlerhaft“ bezeichnet wird? Macht sich die Gilde mit ihren Regeln nicht auch schuldig, wenn dadurch ein Mensch sterben könnte? Wie fehlerhaft verhält sich die Gilde, indem sie die Fehlerhaften komplett meidet und ihnen den Kontakt zu allen anderen untersagt? Und allem voran: Wo sind Mitgefühl und Nächstenliebe geblieben?

Celestine soll also vor Gericht kommen, doch der Richter versucht das zu vermeiden. Bei seinem Besuch in ihrer Zelle legt er ihr nahe zu behaupten, dass sie den Fehlerhaften aus dem Bus entfernen wollte – zum Wohl aller – und ihm nicht helfen wollte. Er ermutigt sie zu lügen, aber würde sie das nicht erst recht zu einer Fehlerhaften machen? Celestine kann nicht mehr klar denken, weiß nicht, was sie tun soll. Der Richter legt ihr eine Geschichte für die Anhörung zurecht, will ihr augenscheinlich helfen, weil sie seit mehr als drei Monaten die Freundin seines Sohnes ist. Und genau das ist das Problem. Nach dem Freispruch des Fußballstars schreien die Kritiker der Gilde geradezu nach der Verurteilung des jungen Mädchens. Da die Hilfeleistung an einem Fehlerhaften generell ein Strafbestand ist, entscheidet die Gilde, dass Celestine nicht als Fehlerhafte verurteilt und gekennzeichnet werden soll, sondern für drei Jahre eine Haftstrafe absitzen soll. Celestine und auch ihre Eltern können es nicht fassen. Und auch Richter Crevan ist außer sich, dass Celestine seine Hilfe nicht annimmt und vor allen Zusehern des Prozesses zugibt, dem Fehlerhaften geholfen zu haben. Denn schließlich hat er sich schützend vor sie gestellt, sie als ehren- und heldenhaft dargestellt. Mit ihrer Aussage lässt sie den Richter nicht gut dastehen. Doch so einfach lässt er das nicht auf sich sitzen und in seiner ungezügelten Wut auf das Mädchen und darauf, dass sie seine Karriere gefährdet, kann sich Crevan nicht zurückhalten und bestraft Celestine auf die einzige Weise, die ihm als gerechtfertigt erscheint.

Dieser Roman spielt ganz bewusst und auf beeindruckende Weise mit vielen Emotionen und hat bei mir während des Lesens ganz viele und ständig andere Fragen aufgeworfen. Zeiten, in denen Menschen verfolgt wurden, haben wir in der Geschichte der Menschheit bereits genügend hinter uns. Ich für meinen Teil möchte unter keinen Umständen in so einer Welt leben. Dieses von Ahern beschriebene Szenario ist zwar – noch – fiktiv, könnte aber sehr wohl genau so in der Zukunft stattfinden. Schon jetzt haben wir Ethikkommissionen, die darüber entscheiden wollen, was richtig und was falsch ist. Ich finde diese Kommissionen haben auch ihre Berechtigung, ich denke aber, sie sollten diese nicht gänzlich  auf gesetzlicher Basis ausüben dürfen, wie in diesem Roman beschrieben.

Die Bestrafungen der „Fehlerhaften“ finde ich schon sehr krass. Natürlich ist es moralisch verwerflich, wenn ein Mann seine Frau betrügt (oder umgekehrt), aber ihn deshalb zu brandmarken und von der Gesellschaft auszuschließen, finde ich schon sehr übertrieben. Immerhin bin ich der Meinung, dass die Eheleute das unter sich ausmachen sollten. Auch Manager großer Firmen, die trotz besseren Wissens Deals eingehen, bei denen sie wissen, dass diese vielen Menschen schaden können, handeln natürlich unmoralisch, sollten in gewisser Weise bestraft werden, aber rechtfertigt das den totalen Ausschluss aus der Gesellschaft? Und wer hat in seinem Leben noch nie gelogen? Ist eine Ausgrenzung in solch einem Fall legitim? Ist es richtig Menschen öffentlich an den Pranger zu stellen, wenn sie aus Sicht einiger unmoralisch und unethisch handeln?Welche Auswirkung das auf die Gesellschaft haben kann, hat Cecelia Ahern in diesem Roman sehr gut beschrieben. Es führt dazu, dass sich keiner mehr sicher sein kann, ob sein Handeln vom einen oder anderen nicht vielleicht als fehlerhaft angesehen wird und führt dazu, dass man nicht mehr frei und offen denken und handeln kann. Es führt zu einer Einschränkung der Grundrechte der Menschen: freies Gedankengut und freie Meinungsäußerung, weil man ständig in Angst leben muss. Denn was der eine falsch findet, ist für den anderen vielleicht richtig. Wer hat das zu entscheiden? Und vor allem führt es meiner Meinung nach in gewisser Weise zur Volksverblödung, denn wo soll das hinführen, wenn keiner mehr selbst über sein Handeln und die Folgen nachdenken muss? Wenn einem jedes Denken, jeglicher Hausverstand abgenommen werden? Es kann für eine Gesellschaft nicht gut sein, wenn ein paar Mitglieder entscheiden und der Rest folgt wie Lemminge.

Fazit

Unbedingt lesen und sich selbst Gedanken über die Zukunft und Moral und Ethik machen. Ich kann Teil 2 kaum abwarten, so begeistert war ich von Celestine und ihrer Geschichte.

AutorIn

Cecelia Ahern wurde 1981 in Irland geboren und studierte Journalistik und Medienkommunikation in Dublin. Mit 21 Jahren schrieb sie ihren ersten Erfolgsroman P.S. Ich liebe dich, der sie zu einer der erfolgreichsten Autorinnen der Welt machte.

Lieben Gruß, Alexandra

Press & Books

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*