Die relative Unberechenbarkeit des Glücks – Antonia Hayes

Die relative Unberechenbarkeit des Glücks

 

Verlag: blanvalet

Format: Gebundenen , 464 Seiten, ISBN: 978-3-7645-0575-2

Preis: € 20,60 (A), € 19,99 (D)

Bewertung:

4 von 5 Pfoten

 

Um ehrlich zu sein, herzzerreißende Geschichten sind eigentlich so gar nicht mein Ding, aber für dieses Buch machte ich eine Ausnahme und ließ meine Krimis und Thriller links liegen. Ich war richtiggehend gespannt, welche Geschichte mir Antonia Hayes, eine australische Autorin, erzählen würde.

Ethan ist ein zwölfjähriger Junge, dessen Gehirn als Baby aufgrund eines vermeintlichen Schüttel-Traumas geschädigt wurde. Schuld daran war sein Vater Mark, der damals von einem Gericht für dieses Verbrechen schuldig gesprochen wurde und nach Beendigung seiner Haftstrafe sein weiteres Leben ohne jeglichen Kontakt zu seinen Sohn bzw. seiner Ex-Frau Claire, Ethans Mutter, in einem anderen Landesteil von Australien verbrachte. Seit diesem Vorfall ist Claire alleinerziehende Mutter, die ihren Sohn über alles liebt. Zwölf Jahre lang hatte sie versucht, Ethan Einzelheiten über den Vorfall rund um seinen Vater zu ersparen, aber aufgrund einer dramatischen Verkettung von Ereignissen ist das zum Schutz ihres Sohnes erbaute Kartenhaus eingestürzt und Ethan erfährt sukzessive immer mehr über seinen Vater und warum er anders ist als andere Kinder in seinem Alter.

Als ich einleitend erwähnte, dass die Geschichte herzzerreißend ist, dann habe ich etwas untertrieben. Ethan ist ein Junge den man einfach gern haben muss. Aufgrund seiner Hirnschädigung, hatte er eine nichtangeborene Inselbegabung erlangt. Dieser Junge kann über Quantenphysik erzählen, wie andere Kinder über ihre neuesten X-Box Games. Seine Klugheit in Bezug auf Physik und Astronomie, machen ihn jedoch auch zum Außenseiter in der Schule. Seine Kameraden gehen mit ihm nicht zimperlich um, sie hänseln ihn tagtäglich und nennen ihn aufgrund seines Hanges zur Wissenschaft Stephan Hawkings. Für Ethan ist dies das größte Kompliment, da Stephan Hawkings sein größtes Vorbild ist. Während des Lesens empfand ich tiefstes Mitleid mit dem Jungen, der sich jeden Tag den Grausamkeiten seiner Mitschüler gegenüber sah. Aber Ethan steckte alles weg, alles was ihn interessierte war Physik, Astronomie und warum sein Vater ihm damals wehgetan hatte.

Seit zwölf Jahren lebt Claire mit ihren Zweifeln. War ihr Ex-Mann Mark tatsächlich dazu fähig seinen eigenen Sohn solange zu schütteln, bis er ernsthafte Hirnschädigungen davontrug? Sie liebte ihren Mann, sie konnte es sich nicht vorstellen, dass Mark dazu in der Lage war seinen eigenen Sohn zu verletzen, aber was hätte sie tun sollen, wenn alle Ärzte die verheerende, sowie für die Familie zerstörende Diagnose Schüttel-Trauma stellten, welche schlussendlich zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe für Mark führte. Nach einer gefühlten Ewigkeit tritt Mark erneut in das Leben seiner Ex-Frau bzw. seines Sohnes.

Ich muss zugeben, wissenschaftliche Themen in einem Buch sind eigentlich genauso wenig interessant für mich, wie schon einleitend erwähnt, wie herzzerreißende Geschichten, die mich traurig machen. Antonia Hayes hat aber in ihrem Buch beides derart genial kombiniert, dass ich das Buch kaum zur Seite legen wollte. Zu neugierig war ich gewesen, wie der kleine Mann sein Leben mit all den Neuigkeiten, die auf ihn einprasselten, in den Griff bekommen wird. Wird Claire ihre Zweifel beiseite schieben können und Mark eine zweite Chance geben?

Ich muss auch gestehen, dass mich Physik und Astronomie nicht wirklich interessieren. Aber gerade diese beiden Themen wurden verständlich und nicht zu überladen in den Roman eingebaut, sodass es mir sogar Spaß bereitete, darüber zu lesen. Ich denke, dieses Buch wird ohne Zweifel ein Bestseller werden. Antonia Hayes versucht mit diesem Buch auch persönliche Erfahrungen zu verarbeiten. Ihrem Sohn wurde als Baby von seinem Vater ebenfalls ein Schüttel-Trauma zugefügt, bei dem er schwere Hirnverletzungen davon trug. Mittlerweile ist ihr Sohn Julian wieder glücklich und vollkommen genesen. Dieser Roman lädt den Leser ein zu lieben, zu hassen, zu reflektieren und sich Gedanken zu machen.

Fazit

Ein sehr persönliches Buch über Liebe, Hass und moralische Dilemma. Ein ausgezeichneter Kompromiss zwischen literarischer und populärer Belletristik.

Autor

Antonia Hayes wuchs in Sydney auf, verbrachte ihre Zwanziger in Paris und lebt heute in San Francisco. Ihre Texte wurden in zahlreichen Magazinen veröffentlicht, außerdem arbeitete sie als Publizistin in der Verlagsbranche und als Buchhändlerin. »Die relative Unberechenbarkeit des Glücks« ist ihr Debütroman.

Liebe Grüße, Thomas

Dieses Buch wurde uns von Press & Books zur Verfügung gestellt. Wir möchten uns dafür herzlich bedanken.

Press & Books

 

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