Die Assistentinnen – Camille Perri

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Verlag: INK – Egmont Verlagsgesellschaft mbH (Bastei Lübbe)

Format: Paperback, 320 Seiten, ISBN: 978-3-86396-095-7

Preis: € 15,50 (A), € 14,99 (D), € 13,99 (ebook)

Bewertung:

4 von 5 Pfoten

 

Die Assistentinnen von Camille Perri ist ein ganz spezieller Roman, der zwar nicht generell als Anleitung dienen soll, aber sehr wohl zum Nachdenken anregt – und Humor und Romantik kommen auch nicht zu kurz. Ein Roman über Frauen, die ihre Chancen ergreifen und im Zuge dessen von der Gesellschaft als „moderne, weibliche Robin Hoods“ gesehen werden, obwohl ihr Vorgehen eigentlich ein klein wenig unmoralisch ist. Ein Buch über die Berufswelt, die ungerechte Verteilung von Reichtum und der Frage nach Recht und Unrecht. Mir hat der Klappentext sehr gut gefallen und ich war höchst gespannt auf das angepriesene „intelligente und freche Lesevergnügen“, das dieser Roman verspricht. Daher möchte ich mich ganz besonders bei Press & Books bedanken, dass sie mir ein Leseexemplar zur Verfügung gestellt haben.

Die 30-jährige Vorstandsassistentin Tina Fontana fühlt sich selbst eher unscheinbar und hat finanzielle Probleme. Der Studienkredit ist immer noch nicht abbezahlt, die Lebenskosten in New York sind kaum leistbar und an Sparen ist gar nicht erst zu denken. Sie verdient rund $ 40.000,00 im Jahr, was in einer teuren Stadt wie New York, nicht gerade berauschend ist, für die Arbeit, die sie tagtäglich leisten muss. Quittungen einsammeln, Wäsche aus der Wäscherei holen, teure Weine auftreiben, die man nicht im Laden an der Ecke kaufen kann, die Geburtstage der Angehörigen des Chefs nicht vergessen, Geschenke besorgen und an die nächste Prostatavorsorgeuntersuchung denken. Ob sie dafür wirklich ein sauteures Studium gebraucht hätte?  Eines hat Tina rasch gelernt: Alle wichtigen Männer haben eine Assistentin. Und sie ist nun mal Robert Barlows rechte Hand. Robert ist ein Medienmogul und auf Platz 35 der Forbes-Milliardärliste, er braucht sich um Geld keine Sorgen zu machen und das würde sich Tina für sich selbst auch wünschen – wenn auch in kleinerem Ausmaß. Also greift sie in einem ersten, unüberlegten Moment zu, als sich ihr die Gelegenheit ergibt. Eines Tages bucht sie für ihren Boss für rund $ 20.000,00 ein Flugticket mir ihrer privaten Kreditkarte. Das Ticket wird von der Fluggesellschaft refundiert, da hat Tina aber bereits die Spesenabrechnung eingereicht und den Betrag in Form eines Schecks zurückerstattet bekommen. Tagelang hadert sie mit sich selbst, denn der Betrag würde ihr gesamtes Studiendarlehen sofort und für immer tilgen und wäre für ihren Boss nur ein Trinkgeld. Und dann entdeckt Tina auch noch eine ganz „böse“ App auf ihrem Handy, mit der man den Scheck online einlösen kann. Sofort nach Einlösen stellt sich bei Tina ein schlechtes Gewissen ein, sie fühlt sich als Diebin, kann damit aber nicht zu ihrem Chef, aus Angst gekündigt zu werden, weil sie ihn bestohlen hat. Die von ihren italienischen Eltern erzkatholisch erzogene Frau hadert anfangs sehr mit ihrer Entscheidung, doch auch Tage später scheint der „Irrtum“ niemandem aufgefallen zu sein. Bis sie zu Emily Johnson, Assistentin des Leiters der Abteilung Reise- und Bewirtungsspesen, beordert wird.

Das schlechte Gewissen kehrt zurück und frisst Tina fast auf, das Gespräch mit Emily verläuft jedoch nicht wie gedacht. Im Gegenteil: Tina erfährt, dass auch Emily Geldprobleme hat und ihr der Schwindel mit der Spesenabrechnung aufgefallen ist. Jetzt möchte sie auch ihr Stück vom Kuchen haben und erpresst Tina. Sie verlangt von ihr weiterhin die Abrechnungen ihres Chefs wie bisher doppelt einzureichen und somit auch ihren Studienkredit abzubezahlen. Und weil Tina keinen anderen Ausweg sieht und Angst vor den Konsequenzen hat, geht sie auf den Deal ein. In den folgenden Wochen entwickelt sich zwischen den beiden ungleichen Frauen eine Art Freundschaft. Emily zieht ungebeten bei Tina ein und versucht sie davon zu überzeugen, dass alles gut gehen wird. Was die beiden bisher nicht ahnen: auch der Leiterin der Buchhaltung sind die doppelt eingereichten Spesenabrechnungen von Robert Barlow bereits aufgefallen und sie zitiert sowohl Tina als auch Emily zu sich ins Büro. Und als hätte Tina nicht schon genug Angst vor dem Nachspiel ihres Diebstahls erfährt sie auch noch, dass der bestaussehendste Mann und Mitarbeiter in der Rechtsabteilung, Kevin Hanson, ein Auge auf sie geworfen hat. Tina ist sich aber ganz und gar nicht sicher, ob sein Interesse an ihr auch wirklich ihr gilt oder ob auch er etwas bemerkt hat. Und so wird die ganze Sache immer komplizierter und nervenaufreibender für Tina, denn hätte sie gewusst, welche Wellen ihre Handlungen schlagen, dann hätte sie den Scheck wahrscheinlich nie eingelöst. Oder doch? J Kann Tina sich aus ihrer Situation irgendwie befreien oder kann sie sie dazu nutzen wirklich Gutes zu tun?

Die Geschichte wird aus Tinas Sicht erzählt, zeigt in allen Zügen ihre Unsicherheiten und Gewissenbisse. Eine tolle und intelligente Ausführung darüber, welche Kettenreaktion selbst die kleinste Entscheidung, die man im Leben trifft, auslösen kann. Hier stellt sich beim Lesen immer wieder die „Was-wäre-wenn“-Frage, denn die Auswirkungen von Tinas Handeln sind zu Beginn keineswegs abschätzbar. Hätte sie vorher gewusst, welche Lawine sie ins Rollen bringt, hätte sie dann genauso wieder gehandelt? Diese Frau wird im Laufe der Geschichte zur „Heldin der Arbeiterklasse“, aber mir stellt sich schon die Frage, ob man jemanden, der eine Straftat begeht, dermaßen in den Himmel heben sollte. Nichts desto trotz ist der Roman toll geschrieben, die Idee finde ich persönlich nicht schlecht und vor allem außergewöhnlich und neu.

Die Figuren sind der Autorin authentisch und trotz all ihrer Fehler und Eigenheiten gut gelungen, im Endeffekt sind sie alle sehr liebenswert. Tina ist sehr widersprüchlich und in gewisser Weise auch naiv, weil sie eigentlich nicht damit rechnet, erwischt zu werden. Andererseits hat sie sofort nach ihrer Tat ein dermaßen schlechtes Gewissen, dass sie am liebsten so schnell wie möglich wieder loswerden will. Daher versucht sie sich die Sache selbst schön zu reden. Emily hingegen hat da offensichtlich weniger Probleme mit dem Diebstahl. Die aus einer nicht so besonderen Gegend stammende Frau ist zwei Jahre jünger als Tina und total überheblich, hat jedoch standesgemäßes Auftreten perfektioniert und würde nie im Leben als ein Mädchen aus dem Ghetto auffallen. Ihre kleinen Vorlieben hat sie sich bisher von ihren diversen Männerbekanntschaften finanzieren lassen, doch seit sie Tinas Betrug entdeckt hat, ist sie der Meinung, dass man sein Leben auch so bestreiten kann. Nicht nur, dass sie Tina erpresst und ihren Arbeitgeber beklaut, sie drängt sich auch in Tinas Wohnung und Leben ohne Rücksicht auf Verluste. Die beiden Frauen verbindet jedoch ein gemeinsamer Wunsch: finanzielle Unabhängigkeit, Schuldenfreiheit. Und das macht die Geschichte so interessant. Die beiden ungleichen Frauen entwickeln eine Freundschaft, doch während sich Tina immerzu Sorgen macht, ist Emily in jeglicher Hinsicht sorglos.

Welchen Lauf die Geschichte nimmt, ob die Assistentinnen auffliegen und eine gerechte Strafe erhalten oder nicht, das werde ich hier nicht verraten. Ich kann das Buch nur weiterempfehlen, denn die Geschichte steckt voller Wahrheiten, Humor und Überraschungen.

Fazit

Mein Fazit ist diesmal ein Zitat vom Klappentext: „Gute Mädchen kommen bis ins Vorzimmer, böse überallhin!“

AutorIn

Camille Perri war lange Zeit Redaktionsassistentin beim Esquire, bevor sie als Redakteurin für die Cosmopolitan begann. Die Assistentinnen ist ihr erster eigener Roman. Früher hat sie in einer Bibliothek gearbeitet und fühlte sich zu Büchern immer hingezogen. Schon als Kind schrieb sie immer wieder Geschichten, wollte Schriftstellerin werden.

Lieben Gruß, Alexandra

Mit freundlicher Unterstützung von

Press & Books

 

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