Der Keller – Minette Walters

Der Keller

 

Titel: Der Keller

Autor: Minette Walters

Verlag: Goldmann Verlag

Format: Klappenbroschur, 224 Seiten, ISBN: 978-3-442-48432-4

Preis: € 1030 (A), € 9,99 (D)

Bewertung: 4 von 5 Pfoten

 

Da ich noch nie ein Buch von Minette Walters gelesen habe und Psychothriller zu meinen Lieblingsgenres gehören, habe ich mich dazu entschlossen dieses Buch zu lesen. Vielen Dank an das Team vom Bloggerportal, die mir diesen Titel als Leseexemplar zur Verfügung gestellt haben.

Handlung

Unfassbar! Muna wird seit ihrem achten Lebensjahr von der Familie Sognoli als Sklavin, in deren Keller gehalten. Unvorstellbares Leid musste die nunmehr vierzehnjährige Muna über ihren Körper und ihre Seele ergehen lassen. Vergewaltigungen durch den Eduka, den Ernährer der Familie, Gewalt und Hass bestimmen ihr noch junges Leben. Als eines Tages der jüngste Sohn der Familie nicht mehr von der Schule nach Hause kommt, bessert sich das Leben von Muna. Sie darf ihr Kellerverlies verlassen und in die anderen Räumlichkeiten ziehen, aber nur damit die Polizei keinerlei Verdacht schöpft, welche Grausamkeiten tatsächlich bei der Familie Sognoli stattfinden. Auch wenn ihr weder Schreiben und Lesen gelehrt wurden und sie Fremden als zurückgeblieben dargestellt wird, ist sie doch intelligent genug sich zu wehren.

Meinung

Bücher zu lesen, in den Kinder die Opfer sind, schockieren mich immer sehr, noch dazu wenn solch tragische Geschichten tatsächlich in ähnlicher Form in der Realität vorkommen. Warum sich die Autorin für eine afrikanische Familie entschieden hat, kann ich nicht beantworten. Auch in Österreich, Belgien oder Frankreich sind schon derartige Kindesmissbrauchsgeschichten geschehen. Man denke aus österreichischer Sicht nur an die Fälle Fritzl und Natascha Kampusch.

Bei diesem Buch braucht man aus meiner Sicht bei der Rezension nicht aufpassen, dass man aus Versehen spoilert. Die Geschichte ist von Anfang an klar, die Rollen sind verteilt und wie die Story letztendlich ausgeht ist auch schon nach den ersten Seiten kein Geheimnis mehr. Spannung gibt es in diesem Buch kaum, aber das tut der Tragik der Story keinen Abbruch. Wenn man bedenkt, dass die Geschichte ab dem Zeitpunkt erzählt wird, ab dem sich das Leben von Muna verbessert hat, möchte oder kann man sich unter keinen Umständen vorstellen, wie es ihr zuvor ergangen ist, welche Qualen sie hat ertragen müssen. Trotz des Elends ist Muna ein starkes Mädchen, ob ihr späteres Handeln nachvollziehbar ist, wage ich nicht zu beurteilen. Jetzt, unmittelbar nach dem ich das Buch zu Ende gelesen habe, habe ich Verständnis für die Reaktionen Munas. Erschreckend fand ich in diesem Buch nicht nur das Leid das dem Mädchen zugefügt wurde, sondern auch die englischen Behörden, die zwar vermutet haben, dass in dieser Familie etwas nicht stimmt, aber sich trotzdem durch sonderbare Erklärungen nicht durchgerungen haben etwas zu unternehmen. Auch die Nachbarn, die schon einen Missbrauch vermuteten, brauchen zu lange um ihre Zivilcourage unter Beweis zu stellen. Das Buch hat etwas mehr als zweihundert Seiten, mehr hätte ich über dieses Thema auch nicht lesen wollen. Also eher ein Kurzroman, welchen man in einem Zug durchlesen kann. Der Schreibstil war für mich etwas gewöhnungsbedürftig. Ich bin mir aber nicht sicher, ob der Stil extra für dieses Buch gewählt wurde. Schließlich handelte es sich um eine afrikanische Familie deren Muttersprache Haussa ist. Muna hat sich ihr Englisch auch nur mit Hilfe von Zeichentrickfilmen beigebracht. Möglicherweise empfand ich dadurch den Text etwas holprig. Bei meiner Bewertung bin ich etwas gespalten. Das Buch an sich fand ich jetzt nicht übertrieben gut geschrieben, aber ich finde es wichtig, dass über solche Themen gesprochen und geschrieben wird, um den Leuten in Erinnerung zu rufen, welch kranke Dinge auf unserer Welt geschehen können. Man darf hier auch nicht die Augen verschließen, sondern sollte seine Zivilcourage wahrnehmen und zeitgerecht Dinge aussprechen.

Fazit

Eine Geschichte die gleichermaßen traurig und wütend macht.

Autor

Minette Walters gilt als Nachfolgerin von PD James und Ruth Rendell. Die beiden waren britische Bestsellerautorinnen, die für Kriminalromane und psychologische Romane bekannt waren. Seit dem Tod der beiden tritt Minette Walters in die großen Fußstapfen die PD James und Ruth Rendell hinterlassen haben. Bevor sie Schriftstellerin wurde arbeitete sie lange Zeit als Redakteurin in London. Seit ihrem Debütroman „Im Eishaus“, der 1994 auf Deutsch veröffentlich wurde, zählt sie zu den Lieblingsautoren von Millionen Leserinnen und Lesern in aller Welt. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Dorset, England.

2 Gedanken zu „Der Keller – Minette Walters

  1. Litis' fabelhafte Welt der Bücher

    Huhu,

    von Minette Walters habe ich bisher ein Buch gelesen und war begeistert.

    Mh, aber bei „Der Keller“ hatte ich mir ehrlich gesagt etwas anderes vorgestellt. o_O Ich habe mir das Buch besorgt, weil sich der Klappentext nach einer Haushälterin anhört, die endlich mal „zurückschlägt“. Scheinbar ist das in diesem Buch gar nicht so? Schade… 🙁 Na, ich hoffe, es gefällt mir trotzdem…

    Lieben Gruß
    Steffi

    Antworten
    1. wordpressadmin Beitragsautor

      Hallo Steffi,
      du wirst sehen, dir wird das Buch trotzdem gefallen. Haushälterin im weitesten Sinne passt ja auch irgendwie. Die zweihundert Seiten haben es allerdings in sich. Sag Bescheid wie du es empfunden hast, wenn du es gelesen hast. Danke für deinen Kommentar.
      Liebe Grüße
      Thomas

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*