Benjamin Bayer: Die verschollene Chronik – Helmut Giesinger

 

Format: Taschenbuch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-200-04695-5

Preis: TB € 15,90, ebook € 7,54

Bewertung:

 

Wenn mir vor kurzem jemand gesagt hätte, dass ich in naher Zukunft einen Fantasy Roman lesen werde, und diesen dann unerwarteter Weise auch noch gut finde, dann hätte ich den- oder diejenige für verrückt gehalten. Doch dem österreichischen Autor Helmut Giesinger ist es gelungen, mich mit seinem Debütroman Benjamin Bayer – Die verschollene Chronik, erfolgreich in die Welt der Fantasy Romane zu entführen und gleichzeitig Lust auf mehr zu machen. Was nicht zuletzt daran liegt, dass es sich bei Familie Bayer um eine wirklich hinreißende, liebenswerte Familie handelt und der fiktive Anteil der Geschichte den realen nicht verdrängt.

Benjamin Bayer ist ein ganz normaler, glücklicher 13-jähriger Junge. Sein Leben ist nicht besonders aufregend: im Sommer liebt er es mit seinem Longboard durch die Gegend zu kurven und im Winter gibt es für den sportbegeisterten Burschen nichts Schöneres, als mit seiner Familie Schi fahren zu gehen. Dies ist die große Leidenschaft der ganzen Familie Bayer, bei jedem Wetter findet man sie auf der Piste. Doch diese Leidenschaft und ein Wettrennen mit seinem Zwillingsbruder Bertram werden Benjamin eines Tages zum Verhängnis. Benjamin lässt sich während eines gewagten Sprungs über eine hohe Schanze von einer dunklen Gestalt aus dem Konzept bringen und stürzt. Es sieht fast so aus, als hätte die Gestalt helle Blitze auf Benjamin geschossen. Benjamin sieht in den schrecklichen Sekunden des Sturzes noch einmal sein junges Leben vor seinen Augen ablaufen. Der Aufprall führt zu so schweren Verletzungen, dass der Junge noch vor Ort verstirbt – oder doch nicht? Denn kurze Zeit später findet sich Benjamin an einem eigenartigen Ort wieder. Und was er dort erfährt, ist für den 13-jährigen Burschen schier unglaublich. Denn Benjamin ist tatsächlich tot, soll aber als Wandler weiterhin auf der Erde und mit seiner Familie leben.

In den nächsten Tagen und Monaten lernt Benjamin mit Hilfe von Frau Vatis und anderen Helfern, was es heißt ein Wandler zu sein und dass er dieses Los offensichtlich seinem toten Opa Heribert Bayer zu verdanken hat, der selbst ein Wandler war. Und dann erhält er auch noch Opas alten Talisman, einen Lapislazuli, und soll sich auf die Suche nach der Bayer´schen Familien-Chronik machen. Auf seiner Suche nach dem Buch, dass ihm so einige Fragen beantworten kann, muss Benjamin lernen, dass es auch noch andere fantastische Wesen wie Jäger, Neutrale, Sumblimitas und Schnitzel gibt und das sein Großvater ihm die Geschichte „Der kleine Kasper“ nicht nur zum Vergnügen erzählt hat. Kann Benjamin die Familien-Chronik finden und erfahren, wie er sein Dasein als Wandler meistern kann?

Benjamin Bayer, 13 Jahre alt, lebt in Dornbirn (Stadtgemeinde im österreichischen Vorarlberg) mit seiner Familie. Er hat einen Zwillingsbruder, Bertram, einen älteren Bruder namens Bernhard und die jüngere Schwester Bernadette. Die Familie unternimmt sehr viel miteinander, obwohl die Geschwister eigentlich nicht viel gemeinsam haben, verstehen sie sich trotzdem gut, Streitereien kommen so gut wie nie vor. Bernhard liebt Kampfsport, Bernadette ist ziemlich klug und begeistert sich für Musik und Bertram ist gut in Mathe. Benjamin besucht das Gymnasium, aber im Gegensatz zu seinem Zwillingsbruder, der auch sein bester Freund ist, ist Benjamin in der Schule eher durchschnittlich bis schlecht. Und trotzdem scheint er der Auserwählte zu sein, der nach Opa Heriberts Tod dazu auserkoren ist, in seine Fußstapfen zu treten. Benjamin macht sich auf den Weg die Familien-Chronik zu suchen und muss viele Rätsel lösen, die sein Großvater hinterlassen hat. Und Benjamin gibt nicht auf. Was dem Jungen jedoch zu schaffen macht, ist, dass er seinem Bruder und auch sonst niemandem davon erzählen darf. Denn Benjamin ist ein sehr ehrlicher Mensch.

Großvater Heribert Bayer ist kürzlich im Alter von nur 69 Jahren auf mysteriöse Weise verstorben. Offiziell war es ein Herzinfarkt, aber warum hat sich der Mann zu diesem Zeitpunkt am Fuße des Berg Isel aufgehalten? Und warum hat er ausgerechnet Benjamin seinen Glücksbringer vererbt? Im Laufe der Geschichte klärt sich das Geheimnis um Benjamins Opa auf und man erfährt viel über den klugen, rätselbegeisterten und handwerklich begabten Mann.

Frau Vatis ist Benjamins Ansprechpartnerin in der Zwischenwelt. Sie ist die erste auf die er nach seinem Unfall trifft und eigentlich erhofft er sich von ihr Auskunft. Aber die eher hektische, kleine Frau gibt nicht allzu viel preis und lässt Benjamin immer nur das allernötigste Wissen.

Die Geschichte rund um Benjamin Bayer hat mir gut gefallen, die Umsetzung ist gelungen. Ich hatte ehrlich die Befürchtung, dass die ganze Story zu sehr in extremes Fantasy Genre abdriftet mit Drachen, Feen, Einhörnern, Zauberern etc. und mir dann vielleicht nicht zusagen könnte (obwohl ich nochmal erwähnen muss, dass ich keinen Vergleich habe). Aber das trifft nicht zu und ich glaube genau das ist der Grund, warum ich mich auf die Reise des jungen Wandlers einlassen konnte. Benjamin Bayer war ja – wie bereits erwähnt– mein allererster Fantasy Roman (bis auf Harry Potter) und ich war ehrlich überrascht, dass der Roman so viel realistische Handlung beinhaltet. Benjamins Leben und das seiner Familie ist ja eigentlich ganz normal, bis auf die Aspekte seines Wandlerdaseins, was mir persönlich gefällt. Ich mag die Figuren, ich mag es, dass die Umgebung, in der die Geschichte spielt, einbezogen und so toll beschrieben wurde (ich bin ja Wiener Stadtkind durch und durch und muss zu meiner Schande gestehen, dass ich noch nicht viel von Österreich gesehen habe) und ich finde auch die fiktiven Teile des Buches toll erzählt. Ich mag den Schreibstil und die Tatsache, dass Familie Bayer eine ganz „normale“  Familie ist. Manche Teile des Buches haben mir besser als andere gefallen, aber im Großen und Ganzen hat mich die Geschichte unterhalten. Ich werde das Buch meinem Sohn (er ist auch 13 Jahre alt) empfehlen, denn ich würde es als Jugendbuch einstufen. Aber auch Erwachsene kommen auf ihre Kosten und ich bin schon auf Benjamins weitere Reise gespannt.

Fazit

Ich denke für mein Fantasy-Debüt habe ich genau den richtigen Roman erwischt. Eine interessante, spannende und fantastische Reise eines Teenagers.

Wir haben auch noch ein kleines „Zuckerl“ für euch, Helmut Giesinger hat sich bereit erklärt uns Rede und Antwort zu stehen. Das nette Interview mit dem sympathischen Autor findet ihr hier:

Interview Helmut Giesinger

 

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