Escape – Wenn die Angst dich einholt – Nina Laurin

 

Verlag: Droemer Knaur GmbH & Co. KG

Format: eBook, 352 Seiten

ISBN: 978-3-426-44118-3

Preis: € 15,50 (A), € 14,99 (D), € 12,99 (eBook), € 12,95 (Hörbuch)

Meine Bewertung:  

 

Als ich vom Droemer Knaur Verlag eine Email erhalten habe, in der mir ein Leseexemplar von Escape – Wenn die Angst dich einholt von Nina Laurin angeboten wurde, habe ich mich erstmal riesig drüber gefreut. Herzlichen Dank an den Verlag für mein Rezensionsexemplar. Leider hielt die Freude über diesen „Psychothriller“ nicht lange an, denn ich hab mich weder unterhalten gefühlt, noch gethrillt. Schade, denn eigentlich klang die Story sehr vielversprechend.

Rückblende ins Jahr 2004: Ella Santos wird im Alter von zehn Jahren entführt. Drei Jahre befindet sich das Mädchen in der Gewalt ihres Peinigers und kann in einer stürmischen und regnerischen Nacht durch einen Zufall flüchten. Das verwahrloste und hochschwangere Mädchen wird von zwei Polizisten, einer davon ist Sean Ortiz, aufgegriffen. Der Schock sitzt tief und Ella kann sich nicht an ihren Entführer erinnern, weshalb er auch nicht gefasst werden kann. Ihr Baby wird zur Adoption freigegeben und Ella erhält eine neue Identität – Laine Moreno.

Gegenwart 2017: Die 23-jährige Laine Moreno versucht ihr Leben in den Griff zu bekommen und die Vergangenheit mittels Drogen und Alkohol zu vergessen. Doch als sie über ein Vermisstenplakat an ihrem Arbeitsplatz stolpert, wird ihr der Boden unter den Füßen weggerissen. Vermisst wird die 10-jährige Olivia Shaw, die Laine wie aus dem Gesicht geschnitten ähnelt. Da die Umstände sehr an Laines Entführung erinnern, steht auch bald die Polizei vor ihrer Tür. Doch Laine kann nicht helfen, sie kann sich noch immer an nichts erinnern. Die Sache ruhen lassen kann sie allerdings auch nicht, handelt es sich bei dem Opfer um niemand geringeren als ihre Tochter.

Die Geschichte hört sich grundsätzlich richtig interessant an, leider war die Ausführung alles andere als spannend und konnte mich nicht fesseln. Zu Beginn des Buches hat man den Anschein, dass Laine Moreno eine gebrochene Frau ist – was auch kein Wunder wäre. Sie versteckt sich hinter Drogen und Alkohol, lebt alleine und zurückgezogen und geht zwei Jobs nach, die sie nicht glücklich machen. Von Beginn an ist die Geschichte immer wieder irgendwie widersprüchlich. In ihrem Job in einem Supermarkt versteckt sich die junge Frau eher, hat keinen oder kaum Kontakt zu ihren KollegInnen. Die Wahl ihres zweiten Jobs kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Sie arbeitet in einem Stripclub. Zwar nur als Barfrau, aber es ist schon eine eigenartige Berufswahl für eine Frau, die sich lieber versteckt und nicht gesehen werden will. Sie kleidet sich aufreizend, schminkt sich, trägt enge, kurze Kleider und kniehohe Stiefel, erwähnt allerdings, dass sie sich nie dazu aufraffen kann, sich aufzutakeln. Doch genau das tut sie regelmäßig für ihren Job im Club. Immer wieder kommen derbe, sexuelle Anspielungen vor, die man aus ihrem Mund (oder ihren Gedankengängen) nicht erwarten würde, die mir beim Lesen eher negativ auffielen („Ein Arschloch, mit dem ich mich leider eine zeitlang getroffen habe, erzählt immer noch, dass ich beim F**** die Stiefel anlasse.“). Natürlich kann ich mich nicht in eine Person hineinversetzen, der solch ein Schicksal zuteil wurde, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass man sich so präsentiert. Zusätzlich hat mich die Tatsache, dass Laine offensichtlich häufig wechselnde Sexualpartner hat, ein wenig verblüfft. Vor allem aber die Art und Weise, wie sie über diese Männer spricht. Laine ist keine besonders sympathische Protagonistin, mit der ich mich nicht wirklich anfreunden konnte.

Und dann ist da noch Sean Ortiz, in den Laine seit ihrer Rettung damals verliebt ist – wie könnte es auch anders sein. Leider war das sehr vorhersehbar und unwahrscheinlich. Ortiz war damals bereits ein erwachsener Mann, Laine gerade mal 13 Jahre alt und verstört. Sie konnte den Polizisten damals nicht mal richtig sehen (weil ihr von den Geräuschen die Ohren und vom Licht, dass sie in ihrem Verlies nicht hatte, die Augen schmerzten) sondern ihn eher riechen, sie fand seine Stimme beruhigend und fühlte sich sicher. Natürlich ist es nachvollziehbar, dass das Mädchen ihren „Retter“ bewundert, aber das sie in ihn verliebt ist, nachdem sie ihn kaum gesehen hat und diese Verliebtheit auch noch über zehn Jahre hinweg anhält, halte ich doch eher für unwahrscheinlich. Nun bin ich natürlich kein Psychologe und weiß auch nicht, was in der menschlichen Psyche so vor sich geht, aber es wirkt für mich beim Lesen eher an den Haaren herbeigezogen, nur um in den Roman eine Liebesgeschichte einbauen zu können. Nun gut, die Lovestory wäre damit abgehakt, denn natürlich fangen die beiden etwas miteinander an. Wer hätte es gedacht?

Wie schon erwähnt, hat mir die Sprache auch nicht gefallen. Immer wieder derbe Aussagen, Laines Ausdrucksweise passt nicht zu ihr. Die ständigen sexuellen Anspielungen passen nicht zur Geschichte und tragen auch nicht dazu bei sie zu verstehen oder etwas aufzuklären. Das Buch ist sehr einfach geschrieben, hat für meinen Geschmack auf sprachlicher Ebene zu wenig Rafinesse, was sich vor allem durch Auffüller wie „Kicher, kicher“ zeigt. Oft wurde auch versucht die Story durch Unnötiges zu verlängern (Laine sieht in der Bar, in der sie arbeitet, zwei Männer. Einer hager, der andere ein gestandener Mann. Sie denkt darüber nach, ob die beiden „andersherum“ sind und zu Hause vielleicht Babyspiele praktizieren. ??????). Das Ende hat mich dann doch sehr überrascht, weil es bis zu einem gewissen Grad vorhersehbar war, allerdings kein einziger Hinweis auf den/die Täter im Buch vorkommt. Ich bin der Meinung, dass die Autorin auch zu wenig recherchiert hat, vor allem, was den psychischen Zustand von Laine angeht hört sich vieles ziemlich unrealistisch an. Und dass die Adoptiveltern von der Polizei einfach mal so Laines Telefonnummer bekommen, damit sie sich mit ihr in Verbindung setzen können, ist aus datenschutzrechtlichen Gründen auch eher unwahrscheinlich. Viele dieser Kleinigkeiten sind mir beim Lesen dieses Buches aufgefallen und haben dazu geführt, dass die Geschichte keinen allzu großen Eindruck bei mir hinterlassen hat.

Fazit

Interessanter Klappentext, ansprechendes Cover, der Rest war leider nicht so mein Ding. Schade!

AutorIn

Die Kanadierin Nina Laurin studierte an der Concordia University in Montreal, wo sie heute immer noch lebt, Creative Writing. Escape ist ihr Debütroman.

 

 

 

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