Es beginnt am siebten Tag – Alex Lake

 

Verlag: Harper Collins

Format: eBook, 472 Seiten

ISBN: 978-3-95967-055-5 / 978-3-95967-186-6

Preis: € 15,50/10,30 (A), € 15,00/9,99 (D), € 7,99 (eBook)

Meine Bewertung:  

 

Auch diesen Titel hat netgalley.de und Harper Collins zur Verfügung gestellt, herzlichen Dank dafür. Leider kann einem nicht immer alles gefallen und das ist bei diesem „Thriller“ hier der Fall. Warum ich „Thriller“ in Anführungszeichen setze? Weil dieses Buch für mich alles andere als ein Thriller ist. Es ist vielleicht ein Familiendrama, ein Roman, aber um ein Thriller zu sein, fehlt hier einiges.

Julia Crowne ist 38 Jahre alt, Anwältin für Familienrecht und mit dem Grundschullehrer Brian verheiratet. Gemeinsam haben die beiden eine fünfjährige Tochter, Anna. Beide lieben ihre Tochter, doch ihren Mann liebt Julia nicht mehr. Sie hat ihm bereits mitgeteilt, dass sie die Scheidung will. Die beiden leben zwar noch im selben Haus, aber Kommunikation findet keine mehr statt. Brian ist eher überrascht, weil ihm nicht klar war, dass er für seine Frau uninteressant geworden ist. Und so ist es, wie jeden Mittwoch, an Julia, Anna von der Schule abzuholen. Lieder wird sie in einem Meeting aufgehalten. Sie kann weder die Schule noch Annas Großmutter Edna erreichen, um sie zu informieren, dass sie sich verspäten wird. Als sie an der Schule eintrifft ist Anna nirgends zu finden. Keiner hat das Mädchen gesehen, keiner weiß, ob sie mit einer Freundin oder mit einem Fremden mitgegangen ist, ob sie sich vielleicht alleine auf den Heimweg gemacht hat oder noch viel schlimmer, ob sie verschleppt wurde und vielleicht nie wieder auftauchen wird. Julia kann es nicht fassen, doch anstatt in Schockstarre zu verfallen reißt sie sich zusammen und macht sich auf die Suche nach Anna. Der ganze Ort hilft mit und auch die Polizei unternimmt alles, um die fünfjährige wieder zu ihren Eltern zurück zu bringen. Julia macht sich wahnsinnige Vorwürfe, hält sich für eine schlechte Mutter und bekommt von ihrem Noch-Ehemann und dessen Mutter einiges an den Kopf geworfen. Alles, außer Unterstützung. Natürlich wollen auch Brian und Edna Anna finden, doch die Schuldzuweisung in Richtung der Mutter will einfach nicht enden. Und auch die Medien haben sich auf die Rabenmutter eingeschossen. Währenddessen ist Julias einziges Ziel ihre Tochter lebendig zu finden. Sieben Tage nach ihrer Entführung taucht das kleine Mädchen unversehrt und ohne fremde Hilfe wieder auf. Doch nun fragen sich alle: Was ist passiert? Und was wird noch geschehen? Denn damit ist die Geschichte noch lange nicht beendet.

Julia Crowne ist Rechtsanwältin für Familienrecht und hat tagtäglich mit Scheidungen zu tun, ihre eigene steht kurz bevor, denn ihren Mann Brian liebt sie einfach nicht mehr. Die beiden haben die fünfjährige Tochter Anna, die sie abgöttisch lieben. Um Anna zu bekommen musste Julia viel durchmachen. Mehrere Fehlgeburten, Hormontherapie, Sex nach Plan. Doch Julia wollte unbedingt ein Kind und Anna ist ihr Augenstern und sie hält sich für eine gute Mutter, bis zu dem Tag, an dem Anna vor der Schule verschwindet. Denn dann gibt sie sich für alles die Schuld, findet selbst, dass sie eine schlechte Mutter ist. Allerdings handelt sie die gesamte Geschichte über recht nüchtern, wirkt oftmals ein wenig kalt und eher gereizt und aggressiv. Was mir an ihrer Figur überhaupt nicht gefallen hat ist, dass Julia sehr egoistisch rüber kommt und sich oft widerspricht. In einem Moment findet sie, dass sie eine schlechte Mutter ist, im nächsten sucht sie einen Verantwortlichen für das Geschehene (die Lehrerin, die nicht gut genug aufgepasst hat, die Schule, weil das Überwachungssystem den Entführer nicht zeigt, die gescheiterte Beziehung mit ihrem Mann, dass die Großmutter nicht erreichbar war, dass die Polizei nicht genug tut, um Anna zu finden….). Ihre Aggressivität zeigt sich teilweise auch gegenüber den Medien, die natürlich eine Hetzjagd auf Julia macht. Auf Brian ist sie stinksauer, aber was hat sie erwartet. Er sagt ihr von Anfang klipp und klar, dass er zwar alles tun wird, um Anna zu finden, aber dass sie sonst keine Hilfe von ihm erwarten kann, nach allem, was sie ihm an den Kopf geworfen hat. Und das war nicht ohne. Denn dem eigenen Mann zu sagen, dass er sich in die falsche Richtung entwickelt hat und das man absolut kein Interesse für ihn hat, da darf man sich dann auch nicht wundern. Julia ist sehr Ich-bezogen. Ihre Gedanken schweifen immer wieder zu Geschichten über sich selbst ab, dabei sollte ihr einziger Gedanke doch ihre Tochter sein. Als Anna dann zurück ist und Brian sie ihr wegnehmen will, gibt sie für meinen Geschmack viel zu schnell nach und auf. Für mich ist Julia keine sehr liebenswerte Person.

Brian Crowne ist Grundschullehrer und glücklich in seinem Job. Seine Mutter Edna ist enttäuscht und seine Frau findet sein Leben, und damit auch ihres, nicht mehr interessant. Als Julia ihm das sagt, trifft es ihn hart. Er nimmt es hin und entscheidet, ab diesem Zeitpunkt auch nicht mehr für seine Frau da zu sein. Er unterstützt zwar bei der Suche nach Anna, aber als die Presse Julia schlecht dastehen lässt und sie ihn um Hilfe bittet, lehnt er einfach ab. Diese Handlung ist nachvollziehbar, sehr sympathisch macht ihn das aber auch nicht. Um seiner Tochter Willen hätte er in dieser Zeit zu 100% hinter seiner Frau stehen müssen. Er wirft sie den Wölfen quasi zum Fraß vor. Brian ist außerdem ein absolutes Muttersöhnchen und das ist echt total unsexy, ich kann Julias Entscheidung, ihn zu verlassen, irgendwie nachvollziehen. Viel liest man nicht über Brian, alles was man weiß, hätte man sich eigentlich auch ersparen können. Wäre Julia eine Alleinerzieherin gewesen, dann wären diese peinlichen Streitereien zwischen den beiden aus geblieben.

Edna Crowne ist ein Schwiegerdrache. Auf ihren Doktortitel ist sie sehr, sehr stolz. Sie glaubt sie ist der Nabel der Welt und was aus ihrem Mund kommt ist Gesetz. Eine weitere unsympathische Figur, die ständig einen Keil zwischen Brian und Julia treibt. Edna selbst wurde von ihrem Mann für eine jüngere Frau verlassen, ihr Sohn ist kein Arzt geworden, vielleicht ist sie deshalb so verbittert. Auch ihr konnte ich echt nichts abgewinnen. Vor allem fand ich schrecklich, wie sie sich ihrem Sohn und seiner Frau gegenüber verhalten hat und Brian trotzdem gerne den Boden unter ihren Füßen geküsst hätte. Julia konnte sie noch nie leiden, aber dasselbe Schicksal teilt sie mit der Frau von Brians Bruder, der sich in die USA abgesetzt hat, um Mommy Dearest zu entkommen.

Die Geschichte ist in zwei Teile unterteilt: In den Teil vor und in den Teil nach Annas Entführung. Man kann hier ruhig erzählen, dass Anna ohne einen Kratzer zurück kommt, denn leider verrät das ja auch schon der Klappentext. Was mir echt ein Rätsel ist, denn das nimmt der Geschichte das bisschen Spannung, das sie hätte haben können. Die meiste Zeit wird aus Julias Sicht erzählt, zu Beginn mancher Kapitel aber auch aus der Sicht des Täters. Warum dieser Roman ein Thriller sein soll, ist mir auch ein Rätsel, denn gethrillt hat mich hier echt nichts (außer Julias Art, die zum Abgewöhnen war). Spannend war leider auch nichts, mir war relativ schnell klar, wer sich Anna für die sieben Tage geholt hat. Das Motiv war nicht gut durchdacht und echt blöd – sorry –  und die Ausführung war leider genauso schlecht. Den Schreibstil des Autors fand ich gar nicht so schlecht, einfach zu lesen, allerdings hat mir die Story und die Charaktere nicht gefallen. Vielleicht konnte sich der Autor auch nur schlecht in eine Frau hineinversetzen, denn die Thematik ist an sich gut, man hätte mehr daraus machen können.

Fazit

Für mich eher ein Familiendrama als ein Thriller und nicht mal das gut umgesetzt. Schade.

AutorIn

Alex Lake ist ein in England geborenen Autor, der nun in den USA lebt. „Es beginnt am siebten Tag“ ist sein erster Roman und war bei Erscheinen eine Ebooksensation.

 

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